Crailsheimer
Historischer Verein e. V.

von

Nachdem in den Mitteilungsblättern 10 die Vereinsgründung und die ersten zehn Jahre Vereinstätigkeit bereits dargestellt sind, sollen im Folgenden nur noch die Jahre 1994 bis 2008 behandelt werden, um zusammen mit dem früheren Artikel einen Gesamteindruck über die ersten 25 Jahre des Vereins zu vermitteln.

Vereinsentwicklung

Gleich am 31. Jan. 1994, einen Tag nach seinem 74. Geburtstag, starb der Gründer und Ehrenvorsitzende des Vereins, Hans-Joachim König, bis zuletzt mit Arbeiten zur Crailsheimer Geschichte beschäftigt. Er hinterließ dem Verein die historische Abteilung seiner Bibliothek, was für den Verein sofort das Problem schuf, diese unterzubringen. Nach einer zunächst privaten Odyssee der Bücher erklärte sich die Stadtbibliothek bereit, sie als Präsenzbibliothek zu übernehmen, und deren Leiterin, Frau Edith Bensch, katalogisierte den Bestand bei dieser Gelegenheit fachmännisch. Ebenso kamen allerlei Manuskripte aus Königs Vortragstätigkeit in den Vereinsbesitz und wurden teilweise posthum publiziert. Als seine Witwe im Januar 2005 ihr Haus aufgab, erhielt der Verein schließlich einen gewaltigen Stapel an Zeitungen, zum großen Teil Belege seiner unentwegten Publikationstätigkeit als freier Mitarbeiter diverser Zeitungen. Ferner fielen zahlreiche Fotokopien von Urkunden zur Crailsheimer Geschichte, darunter die komplette Ausstellung zur Crailsheimer Kirchengeschichte an, sowie seine Notizhefte, in denen er in den verschiedenen Archiven die dortigen Akten, Rechnungen etc. ausgewertet hatte. Mit einigen Predigttexten wanderten diese Unterlagen direkt ins Stadtarchiv, wo sie unter dem Stichwort „König“ eingesehen werden können, bzw. lagern noch bei Hans Gräser als Vorbereitungsmaterial für Ortsbegehungen und die Crailsheimer Heimatgeschichte.

Als im selben Jahr, am 12. Aug. 1994, auch Wilhelm Schneider starb, der schon seit der Weimarer Republik zur Crailsheimer Geschichte publiziert hatte[^5a] und ebenfalls in der Zeitung regelmäßig Artikel zur Crailsheimer Wirtschaftsgeschichte veröffentlichte, starb ein weiterer Stadthistoriker und überließ Werner Martin Dienel nahezu allein die Stadtgeschichts schreibung und den „Frankenspiegel“. Da traf es sich recht gut, dass Hans Gräser von August 1994 bis 31. Juli 1999 mit halbem Deputat an die Crailsheimer Volkshochschule abgeordnet wurde und wenigstens das Vortrags- und Seminarangebot entsprechend ausbauen konnte. In dieser Funktion bot er ab 13. Nov. 1995 einen Gesamtüberblick über die Geschichte in mehreren Folgen unter dem Gesichtspunkt „Rückblick 2000 nach vorn“, d. h. unter Herausarbeitung des aus den jeweiligen Epochen noch heute Relevanten, und führte in anderen Seminaren in die antike Kunst und die Methoden der Archäologie ein. Einen besonderen Schwerpunkt bildeten aber die Veranstaltungen zum fünfzigsten Jahrestag des Kriegsendes mit zahlreichen Vorträgen, Begehungen, Diskussionen und Filmvorführungen, die 1997 in unser erstes Buch, „Die Schlacht um Crailsheim“, Eingang fanden. Wesentliche Anregung dazu bot freilich auch das Archiv von Wilhelm Frank, das sein Sohn Gerhard für diese Publikation zur Verfügung stellte. Dabei kamen auch andere Artikel Wilhelm Franks zum Vorschein und wurden in der Folge wie die von Herrn König erneut in unseren Publikationen veröffentlicht.

Für diese gesteigerte Publikationstätigkeit wurde am 26. Juni 1995 Gernot Stepper neu in den Ausschuss aufgenommen, worauf er sich gleich bei der Korrektur der „Schlacht um Crailsheim“ bewährte. Darüber hinaus erwies er sich als findiger Entzifferer alter Schriften, was er bei der Transkription der Westgartshausener Pfarrbeschreibung bereits bewiesen hatte, betreute schon mehrere Lesekurse von Archivalien und vor allem die Edition z.B. der Heelschen Chronik 2007. Inzwischen ist er für die Veröffentlichungen des Vereins im Sinne eines Lektors zuständig, besorgt aber auch Gestaltung und Druckbetreuung, liefert selbst allerlei Artikel[^7a] und erstellt vor allem die wertvollen Register. Mit Recht darf der Verein auf dies entsagungsvolle Tun stolz sein, das unseren Veröffentlichungen eine heute schon recht seltene Qualität sichert und von den Nachbarvereinen lobend anerkannt wird.

Am 12. Mai 1997 musste aus steuerlichen Gründen die bisher auf Spendenbasis ruhende Vereinsfinanzierung auf feste Beiträge umgestellt werden, die leider nicht mehr steuerlich absetzbar sind. Im selben Jahr wurde mit der Berufung von Folker Förtsch endlich ein dringender Wunsch des Vereins, nämlich das Stadtarchiv hauptamtlich zu besetzen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, von der Stadt erfüllt. Für das Archiv, das unter Wasserschäden und Ungeziefer gelitten hatte, war dies zugleich eine letzte Rettungschance, die den Archivbestand daher zunächst auch unzugänglich ließ. Eine negative Folge dieser Berufung war aber auch, dass der bisherige nebenamtliche Archivar, Werner Martin Dienel, sich aus seiner reichen Publikationstätigkeit und aus dem Verein zurückzog und auch den „Frankenspiegel“ als Heimatbeilage des Hohenloher Tagblatts eingehen ließ. Damit entfiel eine kontinuierliche ortsgeschichtliche Information der hiesigen Bevölkerung, so dass die Vereinspublikationen und diverse Heimatbücher entsprechenden Ersatz bieten mussten.

Auf der Jahreshauptversammlung 1998 wurden Folker Förtsch und Hannelore Maurer in den Ausschuss aufgenommen, Letztere als Mitglied des Arbeitskreises Stadtarchäologie sowie als Fachfrau in Hinblick auf die anwachsende Vereinsbibliothek und Publikationstätigkeit. 1999 traten die Kassenprüfer Friedrich Ruby und Wilhelm Vollmann aus Altersgründen zurück und wurden durch Helmut Krauß und Fritz Walther ersetzt.

Einen eigentlichen Qualitätssprung erlebte der Verein aber erst 2000, als er endlich im Stadtmuseum ein Vereinszimmer erhielt, in dem er seine diversen Sammlungen lagern, die Arbeitsgruppen tagen lassen konnte und vor allem eine neue Abteilung eröffnete: Nach Erwerb eines Computers und entsprechenden Programms begannen Helmut Krauß und Frau Pflieger mit der Erfassung der Crailsheimer Kirchenbücher. Langfristig ist damit beabsichtigt, ein Crailsheimer Sippenbuch zu erstellen, das insbesondere die genealogischen Forschungen erheblich erleichtern kann. Ebenso stellte Folker Förtsch einen Informationstext samt Kontaktadresse sowie die Veröffentlichungen des Vereins auf die Internetseite der Stadt Crailsheim, was bereits manche Anfragen und Kontakte ermöglicht hat.

Auf der Jahreshauptversammlung am 7. Mai 2001 wurden im Zuge der Umstellung auf den Euro die Vereinsbeiträge auf 20 Euro erhöht, was noch im selben Jahr zum Ankauf einiger antiquarischer Bücher führte. Außerdem wurden Liesel Beck und Dr. Dieter von Crailsheim zu Ehrenmitgliedern ernannt; Erstere für ihre Verdienste besonders um die Erforschung und Kontakte mit Crailsheims Juden, aber auch für ihr Bemühen um den hiesigen Dialekt und ständige Bereitstellung von Informationen zu dem von ihr miterlebten Geschehen in Crailsheims Vergangenheit; Letzterer hatte bereits bei der Ausstellung zur Familie der von Crailsheim rege mitgewirkt, aber auch in der Folge immer wieder für Vereinsausflüge Kontakte zu den Besitzern verschiedener Burgen und Schlösser hergestellt, was uns zahlreiche ungewöhnliche Einblicke in diese an sich privaten Gebäude ermöglichte. Mit wertvoller Kritik begleitete er zudem unsere Publikationen und machte so oft erst Mut zu deren Veröffentlichung.

Am 6. Mai 2002 löste Friedrich Rieck Helmut Krauß als Rechnungsprüfer ab, und der Verein konnte einen weiteren Posten der Ansichtskartensammlung von Richard Lindenmeyer erwerben. 2003 lösten nach einer Ruhephase Gerhard Hörcher und Hans Ströbel die Arbeitsgruppe „Genealogie“ ab. Im Januar 2004 musste unsere Bibliothek aus finanziellen Gründen (die Stadt hätte für unseren Buchbestand eine Gebühr an das Bibliotheksnetzwerk zahlen müssen) ins Stadtarchiv umziehen, wo sie seitdem kräftig wächst und eine beachtliche Präsenzbibliothek mit mittlerweile weit über 1000 Titeln darstellt. 2006/07 wurden die Neuzugänge von Frau Wagner ebenfalls im Computer erfasst, wobei sogar die einzelnen Aufsätze aus Zeitschriften und Sammelbänden aufgenommen wurden, so dass die Suche nach Literatur erheblich erleichtert und auch ohne Kenntnis von Autorennamen möglich ist. Ebenso wurden die Postkartensammlung Lindenmeyer und die Sammlung Marquardt dorthin als Depot gegeben, so dass dem Publikum dort eine umfangreiche Bilddokumentation Crailsheims voll erschlossen zur Verfügung steht. Durch diese Aufnahme im Stadtarchiv stellte die Kündigung des seitherigen Vereinszimmers im Februar 2006 für den Verein kein Problem dar, zumal er für sein Buchmagazin im Außendepot des Archivs in den ehemaligen McKee-Barracks eine kostengünstigere Unterbringungsmöglichkeit erhielt.

Auf der Jahreshauptversammlung 2004 musste auf Druck des Finanzamtes erneut die Satzung verändert werden und fand ein größerer Personalwechsel in der Vereinsführung statt: Martin Westhäußer übergab seine Tätigkeit als Schriftführer an Hannelore Maurer und trat als Ehrenmitglied in den Ausschuss ein. Gerhard Däumling legte seine Arbeit im Ausschuss aus Altersgründen nieder, wofür Joachim Frisch neu aufgenommen wurde. In diesem Jahr starben zudem die beiden Ehrenmitglieder des Vereins Liesel Beck und Wilhelm Straub. Ende 2005 erhielt der Arbeitskreis Genealogie von der Firma Voith einen neuen Computer und zog damit, nachdem das Vereinszimmer ja gekündigt worden war, Anfang 2006 ins Dekanatsarchiv um. Hier arbeiten inzwischen die Herren Ströbel und Schnierle an dieser Jahrhundertaufgabe und konnten 2008 mit dem Sterbebuch eine erste Etappe abschließen. Die Ausschusssitzungen finden jetzt im Stadtarchiv statt, wo wir dafür erfreulicherweise eine Herberge gefunden haben. Im Museum selbst fand mit dem Ausscheiden von Frau Sackstetter eine Wachablösung statt, die sich auf der Jahreshauptversammlung am 7. Mai 2007 dahin auswirkte, dass die neue Museumsleiterin Friederike Lindner Frau Sack stetter auch im Ausschuss ablöste. Auch Herr Westhäußer schied mit diesem Datum aus, was insofern zu bedauern ist, als sich die Gründergeneration immer stärker aus der aktiven Vereinstätigkeit zurückzieht und nur noch Kassier Paul Walter aus dem Gründungsausschuss die Stellung hält.

Vereinstätigkeit

Insgesamt fand mit dem Wechsel des Vorstands von König zu Gräser auch eine Schwerpunktverlagerung in der Vereinstätigkeit statt: Indem der bis zum 29. Sept. 1991 von Gräser geleitete Arbeitskreis Geschichte mit seinem 59. Treffen seine Tätigkeit einstellte, gingen seine bisherigen Aktivitäten in das Leben des Gesamtvereins ein und wurde durch die Abstellung Gräsers an die Volkshochschule 1994 bis 1999 das Vortrags- und Exkursionsangebot massiv verstärkt (s. Anhang u. S. 22). Weitere Anregungen kamen aus der 1992 gegründeten „Initiativgruppe Geschwister Scholl“, in der Gräser von Anfang an den Verein vertrat, z.B. für den Werkvertrag zur Erforschung des Dritten Reiches in Crailsheim durch Kathrin Fastnacht oder bei der Forderung, den ehemaligen Platz der Synagoge in der Adam-Weiß-Straße sichtbar hervorzuheben. Zahlreiche Veranstaltungen fanden unter gemeinsamer Federführung statt bzw. wurden gegenseitig unterstützt, insbesondere das Programm 1995 zum Gedenken an das Kriegsende. Der enge Kontakt mit der Volkshochschule blieb aber auch nach 1999 erhalten, indem unsere Veranstaltungen und Exkursionen weiterhin über die Volkshochschule ausgeschrieben und die Honorarkosten je hälftig getragen werden. Da die Volkshoch schu le auch die Räume zur Verfügung stellt und die Organisation der Exkursionen übernimmt, erhält sie sämtliche Einnahmen, was in etwa die Unkosten deckt.

Eine starke Unterstützung erhielt der Verein aber auch durch den Arbeitskreis Denkmalpflege, der im Wesentlichen nur aus der Person Gerhard Däumlings bestand, nachdem Helmut Pramor aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden war: Die Ortsbegehungen wurden von Herrn Däumling unter dem Gesichtspunkt der Denkmalpflege vorbereitet, wobei er einerseits die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude zeigte und die Gründe für ihre Erhaltungswürdigkeit erläuterte, andererseits aber auch auf andere Gebäude hinwies, die seiner Meinung nach schutzbedürftig wären. So hatten die meisten Begehungen die Folge, dass an die Denkmalbehörde entsprechende Anträge gestellt wurden; eben so formulierte Däumling zahlreiche Anträge des Vereins an die Stadt Crailsheim. Mit seinem Ausscheiden aus dem Ausschuss endete allerdings diese Tätigkeit, und seitdem wurden die Ortsbegehungen allein unter historischem Gesichtspunkt durchgeführt, nachdem schon zuvor die Führungen in Crailsheims Umgebung eher auf diese Ortsgeschichte Wert gelegt hatten und vielfach von ortsansässigen Heimatforschern geleitet wurden.

Die zunächst noch fleißige Ausgrabungstätigkeit in der Stadt selbst ging ebenfalls in den letzten Jahren stark zurück, u.a. durch das Ausscheiden von Rudolf Grünbacher, der der eigentliche Beauftragte des Landesdenkmalamtes für Crailsheim war. Karl Wiedmann beobachtet zwar nach wie vor etwaige Aushubarbeiten in der Stadt, hat aber seit 2004 seine entsprechenden Vorträge beim Heimatgeschichtlichen Abend zum Stadtfeiertag eingestellt und statt dessen die früheren Berichte in seinem am 6. Dez. 2008 vorgestellten Buch „Krail und Horaff“ zusammengefasst. Auch aus der Museumsarbeit konnte sich der Verein weitgehend zurückziehen, seit 1991 Susanna Sackstetter diesen Bereich hauptamtlich betreute, und wirkte nur noch unterstützend bei Ausstellungen und Museumsfesten mit, was er auch in Zukunft mit Frau Friederike Lindner fortsetzen wird. Immerhin konnte die Gefahr, dass der Verein mit Pensionierung von Frau Sackstetter (wieder) das Museum betreuen sollte, glücklich abgewehrt werden, denn hierzu wäre der Verein personell nicht in der Lage gewesen. Eingeschlafen ist vollends die satzungsgemäße Verpflichtung, das hiesige Brauchtum zu unterstützen, was insbesondere der Fränkischen Familie einen juristischen Rückhalt gewähren sollte: Im Mai 2000 unterzeichnete Hans Gräser letztmals den Jahresabschluss der Fränkischen Familie, die 2001 dann ihr 50-jähriges Jubiläum ohne Unterstützung des Vereins feiern konnte.

Dafür kam mit der vom Verein ständig angemahnten hauptamtlichen Besetzung des Stadtarchivs 1997 ein starker neuer Impuls ins Vereinsleben und regte überhaupt die Crailsheimer Heimatforschung enorm an: Zahlreiche Vereinsmitglieder edierten mit Hilfe des endlich zugänglichen Archivbestandes Artikel und Bücher, hatte doch noch Hans-Joachim König sich im Wesentlichen auf die Stadtteile konzentriert, da auch er zum Archivbestand keinen rechten Zugang gefunden hatte. Aber auch Folker Förtsch bereichert seit seinem Aufzug die Vereinstätigkeit durch zahlreiche Vorträge, Seminare und Führungen, gibt selbst eine ganze Reihe von Publikationen heraus, darunter in der Reihe „Archivsplitter“ auch ausdrücklich besondere Archivalien seiner Sammlung. Seit 2004 verwalteter zudem unsere Bibliothek und die Sammlungen des Vereins, die damit auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Schließlich unterstützt er die Verlagstätigkeit des Baier-Verlags, indem er dessen Literatur zur Ortsgeschichte vielfach als Lektor betreut. Allerdings ist diese Verlagsaktivität selbst im Wesentlichen durch den Stadtfeiertagsvortrag von Richard Badal und Hans Gräser 1995 initiiert worden, als die amerikanische These, Crailsheim sei an seiner Zerstörung am 20. April 1945 selbst schuld gewesen, allgemeine Unruhe erzeugte: Siegfried Baier mobilisierte seinen Freund Armin Ziegler, diese These zu widerlegen, worauf sowohl Ziegler selbst eine ganze Serie von Büchern zur Nachkriegsgeschichte Crailsheims (aber auch zu den Geschwistern Scholl und Hermann Grimminger) lieferte, als auch Baier seine Verlagstätigkeit zur Ortsgeschichte eröffnete. So ist seit 1995 auch von dieser Seite ein reicher Fundus an einschlägiger Literatur geschaffen worden, der das Wissen um die Lokalgeschichte massiv verbessert hat.

In geringerem Maße ist hier aber auch die Unterbringung des Dekanatsarchivs im Obergeschoss des ehemaligen Dekanatsgebäudes zu nennen, weil damit auch dessen Archivalien leichter zugänglich wurden, z.B. in „Die Schlacht um Crailsheim“ und das Hexenbuch Eingang fanden und zu einer recht engen Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde führten: Die beiden Bücher „600 Jahre Johanneskirche Crailsheim“ und „Unbekanntes und Vergessenes“ wurden weitgehend gemeinsam herausgegeben, zahlreiche Vorträge und Führungen veranstaltete der Verein in der Johanneskirche und in kirchlichen Einrichtungen zu Themen der Kirchengeschichte, Baugeschichte, Glockengießerei etc. Und die erste und bisher einzige Forschungsarbeit, die der Verein förderte, hatte eben den Crailsheimer Hochaltar zum Gegenstand (Magisterarbeit von Rebecca Müller).

Im Verein selbst entstand wie bereits erwähnt mit dem eigenen Vereinszimmer ein neuer Arbeitskreis, der sich die Erschließung der hiesigen Kirchenbücher am Computer als Aufgabe vorgenommen hat. Erste Ergebnisse sind freilich erst in Jahren oder Jahrzehnten zu erwarten, da bislang erst das Sterbebuch ausgewertet ist, danach die Taufen und Eheschließungen eingearbeitet werden müssen. Immerhin ist natürlich der erste Eintrag jeweils am mühsamsten und müs sen sich die beiden Mitarbeiter (derzeit die Herren Ströbel und Schnierle) jeweils erst in die Handschrift des betreffenden Pfarrers einlesen. Aber auch die Kirche unterstützt diese Arbeit, da sie die gelegentlichen Nachfragen von Genealogen in Zukunft aufgrund dieser Erfassung leichter beantworten und vor allem die Originale dabei schonen kann. Eine zweite neue Aktivität übernahm 2002 Andreas Manier, indem er die Grabmale des Neuen Friedhofs systematisch dokumentierte und daraufhin beurteilte, welche Grabsteine ggf. nach Ende der Belegfrist erhalten werden sollten. Hieraus hat sich insofern bereits eine gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung entwickelt, als diese Herrn Manier vorab darüber informiert, welche Steine demnächst abgeräumt werden sollen, und erfragt, welche davon erhaltenswert sind. Umgekehrt sind dadurch schon zahlreiche inzwischen abgeräumte Grabmale wenigstens mit Bild und Text dokumentiert und können auch weiterhin wenigstens archivalisch abgefragt werden.

Verstärkt wurde schließlich in der Berichtszeit der Kontakt mit den Nachbarvereinen, indem diese z.B. unser Veranstaltungsprogramm mit aufnahmen, mit uns gemeinsam einige Bücher herausgaben und vor allem einen gegenseitigen Schriftentausch leisten. Selbstverständlich regen wir uns auch hinsichtlich der Referenten gegenseitig an und haben personelle Verbindungen durch Mitgliedschaft und Ausschusstätigkeit.

Im Einzelnen stellen sich diese Aktivitäten folgendermaßen dar:

Museum

Bereits am 26. Juni 1995 wurde vom Verein die Einrichtung einer geologischen Abteilung gefordert und ein detaillierter Plan hierzu vorgelegt, nachdem eine entsprechende Ausstellung durchgeführt worden war. In der Folge stellte der Arbeitskreis Geologie Kirchberg unter Leitung von Karl Wiedmann immer wieder in Sonderausstellungen Versteinerungen aus oder behandelte das Wirken von Richard Blezinger zu dessen 140. Geburtstag, wozu Karl Wiedmann auch eine eigene Broschüre herausgab. Aber erst eine Stiftung von Ernst Hippelein infolge des Vortrags von Hans Hagdorn am 24. Okt. 2005 brachte diese Idee auf den Weg der Realisierung, indem wenigstens eine Abteilung zum Muschelkalk als Dauerausstellung eingerichtet werden soll. Inzwischen wurden nämlich von dem Arbeitskreis eigene Dauerausstellungen in Schwäbisch Hall und Kirchberg geschaffen und vor allem von Hans Hagdorn ein eigenes „Muschelkalkmuseum“ in Ingelfingen eingerichtet, so dass das Thema in der Region schon weitgehend abgedeckt ist.

Museumsleiterin Sackstetter und ihre Mitarbeiterin Juliana Bauer bereicherten das Vereinsprogramm durch allerlei Vorträge und Aufsätze in unseren Mitteilungsblättern, boten aber auch, insbesondere bei Ausstellungseröffnungen, interessante Vorträge, die z.T. ebenfalls in unsere Blätter Eingang fanden, z.B. Klaus Grafs Vortrag „Die Crailsheimer Stadtfeier“, gehalten im Rahmen der Ausstellung „Der Horaff“. Umgekehrt unterstützte der Verein diese Ausstellungsarbeit durch Beratung oder Bereitstellung von Ausstellungsstücken, aber auch durch Spenden zum Erwerb von Fayencen oder Aquarellen. Darüber hinaus veranstaltete er manchen Vortrag im Museum zu entsprechenden Themen oder beteiligte sich am 2. März 1997 mit dem Vortrag mundartlicher Gedichte und Geschichten am Museumsfest. Am 6. Juli 1996 ließ er in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule gar die „Stadtpfeyferey Wolframs-Eschenbach“ in der Spitalkapelle auftreten. Im Gegenzug wurden ihm durch Frau Sackstetter separate Führungen in den jeweils neu eröffneten Ausstellungsabteilungen angeboten, während Gräser und Wiedmann mehrfach zur Geschichte des Spitalareals und Spitals selbst Vorträge und Führungen abhielten. Auf dieser Ebene wird sicher auch mit Frau Lindner, die im Mai 2007 Frau Sackstetter ablöste, weiterhin zusammengearbeitet werden.

Denkmalpflege

Von Herrn Däumling wurden in zeitlicher Reihenfolge Vorschläge an die Stadt zur Anlage eines Spielplatzes beim Diebsturm, zur Errichtung einer Stele auf dem ehemaligen Kirchhof bei der Johanneskirche als Hinweis eben auf diesen Friedhof gerichtet, und Anregungen zur Gestaltung des Markplatzes und des Grundrisses der ehemaligen Synagoge gemacht, der 2007 im Rahmen der Innenstadtsanierung tatsächlich deutlich markiert wurde. 1998 gab der Verein eine Stellungnahme zum Sanierungsgebiet „Westliche Innenstadt“ ab, ebenso am 20. Juli 2001 zur Sanierung der östlichen Innenstadt. Die Stellungnahme vom 27. Mai 1999 zu Baumaßnahmen in der Innenstadt, besonders zum Fußgängersteg vom Parkdeck zum Kirchhof, fand erst durch einen offenen Brief am 5. Okt. 2000 Gehör und führte am 5. Febr. 2001 zu einem Gespräch mit OB Raab und Bürgermeister Klug. Der Verein erhielt damals die Zusage, bei konkreten Baumaßnahmen informiert zu werden, um ggf. rechtzeitig seine Bedenken zu äußern oder bei Abrissen und Eingriffen in den Boden vorher wenigstens den Bestand dokumentieren zu können. Denn im November 1999 hatte sich wieder einmal gezeigt ass entgegen der Annahme von Stadt und Landesdenkmalamt, Crailsheim sei durch die Zerstörung 1945 nicht mehr denkmalwürdig, im Boden der Stadt nach wie vor die Befunde der ehemaligen Bebauung erhalten blieben: Unmittelbar vor der Stadtführung auf den Spuren der Hexenprozesse hatte der Bagger beim Ausheben der Baugrube für den Erweiterungsbau von „TC Buckenmaier“ nämlich für einen Tag das ehemalige Gefängnis in der sog. Fronfeste zutage gefördert, in dem u. a. eben die vier 1596 hingerichteten Hexen gefangengesetzt gewesen waren. Hätte hier eine Vorinformation stattgefunden, wäre am Ende dieser denkwürdige Raum mit den in den Urkunden erwähnten vier Zellen erhalten worden, wie der Bauherr selbst bei der Führung zugab. Aber da dieser „Keller“ im Kellerplan der Nachkriegszeit nicht eingetragen war und die Fronfeste nur im Horlandschen Plan von 1738 identifizierbar war, hatte die Stadt als untere Denkmalbehörde den Abriss unbedenklich genehmigt. Freilich wurde mit Rücksicht auf Datenschutz eine generelle Vorinformation über Abrissvorhaben abgelehnt, so dass wir nur darum bitten konnten, die Bauherren bei entsprechenden Anträgen darauf hinzuweisen, dass der Verein gerne zuvor den betreffenden Bau dokumentieren würde und wegen etwaiger Bodenfunde beteiligt werden sollte.

Wie schon oben beschrieben hat sich seit 2004 eine sehr positive Zusammenarbeit hinsichtlich der Grabmale ergeben, indem hier der Verein vorab über deren Abräumung informiert wird und umgekehrt der Stadtverwaltung eine Liste der erhaltenswerten Denkmäler geben konnte. Tatsächlich sind auf diese Weise schon einige Grabmale an Ort und Stelle erhalten worden, etwa das für die Brüder Leiberich. Etwa gleichzeitig stellte der Verein am 27. Okt. 2004, angeregt durch Richard Badal, den Antrag an die Stadt, im Baugebiet Hirtenwiesen II insofern an die ehemaligen McKee-Barracks zu erinnern, als mindestens ein Straßenname dort diese frühere Nutzung des Geländes konserviert, aber auch eine kleine Dauerausstellung dieselbe dokumentiert, z.B. unter dem Glockenturm der ehemaligen Kasernenkapelle. Dieser einzige erhaltene Bauteil der Kaserne könnte dabei als Buswartehaus dienen.

Etwas Unruhe erregte dann ein Artikel im Hohenloher Tagblatt vom 10. Mai 2007, in welchem Hans Gräser den Rückbau des Portals am Rathausturm als über flüssig ablehnte. Diese aus einem Telefonat entsprungene Stellungnahme wurde sofort durch ein Gespräch mit Baubürgermeister Holl insofern richtig gestellt, als es sich dabei nicht um eine offizielle Äußerung des Vereins gehandelt hatte und zudem aufgrund mangelnder Information gewisse Missverständnisse zugrunde gelegen hatten. Richtig daran ist allerdings, dass der Verein tatsächlich kein dringendes Bedürfnis für diese Maßnahme sieht, andererseits eine Verschönerung der Eingangssituation durch eine attraktive Türe statt der bisherigen „Gefängnistüre“ begrüßt. Insgesamt ist für den Bereich Denkmalpflege festzustellen, dass mit Bürgermeister Holl offenbar mehr Gespür für den historischen Bestand der Altstadt auf dem Rathaus zu erwarten ist, andererseits eine wirkliche Zusammenarbeit nach wie vor nicht gelungen ist und eher kosmetisch am äußeren Erscheinungsbild der Stadt gearbeitet, als den historischen Befunden wirklich Genüge geleistet wird.

Forschungen

Hier zeigt die Liste unserer Publikationen, die neben den „Mitteilungsblättern“ (seit 2004 „Crailsheimer Geschichtsblätter“) erscheinen, dass mittlerweile manche grundlegende Arbeit zu Einzelthemen der Stadtgeschichte entstanden ist, die sich in der Regel auch darin von älteren Werken unterscheidet, dass sie die Tatsachen durch Belege nachvollziehbar macht. Es sind dies - Die Schlacht um Crailsheim (1997) - Hexenverfolgung im Markgraftum Brandenburg-Ansbach […] (2001) - Unbekanntes und Vergessenes aus der Geschichte der Crailsheimer Johanneskirche (2004) - Die Heelsche Chronik (2007). Dazu gemeinsam mit der Johanneskirchengemeinde: - 600 Jahre Johanneskirche Crailsheim (1998) und sozusagen als „Testamentsvollstrecker“ des Arbeitskreises „Erinnerung und Begegnung“: - Jüdisches Leben in Crailsheim (1996).

Vielfach sind diese Werke als Quelleneditionen anzusehen, indem sie einerseits transkribierte Archivalien unmittelbar zur Verfügung stellen, andererseits verstreute Zeugenberichte zusammenführen, wie etwa auch in den Mitteilungsblättern 14 die Kriegsschicksale der Männer aus Hilgartshausen als eine Dokumentation veröffentlicht wurden.

In dieselbe Richtung zielen aber auch die vom Stadtarchiv veröffentlichten „Archivsplitter“, die zur Crailsheimer Mooswiese bzw. zu Stichen von Crailsheimer Köpfen der Barockzeit direkt Crailsheimer Archivalien wiedergeben. Die andere Reihe des Archivs, „Historische Schriftenreihe der Stadt Crailsheim“, hat nach der Biographie von Stadtschultheiß Leonhard Sachs in einem weiteren Sammelband „Crailsheimer machen Stadtgeschichte“ und als einen Nachschlag zum Kriegsende „Warum wurde Crailsheim zerstört?“ abgehandelt sowie schließlich mit Karl Wiedmanns „Krail und Horaff“ die Crailsheimer Stadtarchäologie umfassend dokumentiert. Damit liegt das Programm nahe beim Verlagsprogramm des Baier-Verlags, der seit 1995 in beachtlicher Fülle heimatkundliche Literatur veröffentlicht und so das bisher dafür zuständige Hohenloher Druck- und Verlagshaus Gerabronn verdrängt hat. Auch viele Heimatgeschichten sind hier erschienen, aber auch mundartliche Arbeiten, wobei die Autoren vielfach Mitglieder unseres Vereins sind, wie dies auch für die Publikationen des Stadtarchivs gilt.

Allerdings hat der Verein gelegentlich auch Crailsheim betreffende Publikationen anderer Vereine für seine Mitglieder als Jahresgaben erworben oder nachdrucken lassen, nämlich als Sonderdruck von Württembergisch Franken den Aus grabungsbericht von Amlishagen 1994, die Beschreibung der Stöckenburg durch das Vereinsmitglied Hermann Künstner 1999, „Wurzeln in Crailsheim“

von Gerhard Seibold als Nachdruck 2000, „Der Käshof aus Weipertshofen“ von Ulrike Marski vom Freilandmuseum Wackershofen 2001 sowie die Restauflage der „Archivsplitter“ 1 im Jahre 2002. Diese Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Institutionen wirkte sich auch bei den eigenen Publikationen positiv aus, wenn etwa das Hexenbuch zusammen mit dem Historischen Verein für Mittelfranken ediert werden konnte oder der Verein im Wesentlichen für „600 Jahre Johanneskirche“ die Artikel lieferte, aber mit der Drucklegung und Finanzierung nichts mehr zu tun hatte. Ähnlich wirkten verschiedene Mitglieder federführend beim Heimatbuch Westgartshausen mit oder beteiligten sich als Autoren und Korrektoren an einzelnen Werken des Baier-Verlags.

Wir können hier also mit gewissem Stolz eine Publikationswelle seit 1995 für uns beanspruchen, auch wenn sie nicht allein aus eigener Kraft geleistet wurde. Diese Publikationswelle zeigt zudem, dass in Crailsheim ein erheblicher Nachholbedarf bestand, offenbar aber auch ein hinreichendes Interesse. Insbesondere die Tätigkeit von Folker Förtsch zeigt diesen Bedarf deutlich auf: Nicht nur nahm die Zahl der Benutzer des Stadtarchivs seit dessen Öffnung 2002 ständig und rapide zu – darunter auch zunehmend Schüler, die im Rahmen von vorgeschriebenen Hausarbeiten Themen der Heimatgeschichte erarbeiten –, sondern auch seine Veranstaltungsreihen zu Flucht und Vertreibung 2004/05 und zum 60. Jahrestag des Kriegsendes 2005 bewiesen dies weit verbreitete Interesse auch außerhalb unseres Vereins. Wenn er inzwischen für die Einrichtung von Stadtführungen ebenfalls einen enormen Zulauf verzeichnen kann, besteht auch für den Verein die Hoffnung, unter diesen Teilnehmern neue Mitglieder gewinnen zu können. Eine Konkurrenz zu den eigenen Ortsbegehungen oder Führungen ist jedenfalls nicht zu sehen, da diese doch stärker spezialisiert sind und in der Regel bereits Kenntnisse der Heimatgeschichte voraussetzen.

Trotzdem befindet sich die Forschungsarbeit zur Crailsheimer Geschichte erst im Anfangsstadium, ist doch nicht einmal die Erschließung des Archivgutes der Stadt abgeschlossen. Insbesondere fehlt noch eine Urkundenedition bzw. Regestensammlung zu den Crailsheim betreffenden Urkunden sowie die Erschließung weiterer Chroniken und besonders des „Pfarrbüchleins“ von 1480, um mit entsprechenden Belegen arbeiten zu können. Immerhin gab es in den letzten Jahren hier einen erfreulichen Fortschritt, indem z.B. Urkundeneditionen und Regestenwerke erschienen, die auch für Crailsheim neue Quellen erschließen; so die Urkundenbücher für Vellberg, das Haller Hospital, Rothenburg, die Seckendorff und zuletzt für die Familie von Crailsheim. Im Rahmen der neuen Kreisbeschreibung durch das Landesarchiv Baden-Württemberg 2005 wurden zudem zahlreiche Archivalien des Stuttgarter und Ludwigsburger Zentralarchivs, aber auch Regesten des Staatsarchivs Nürnberg zur Verfügung gestellt, die manche neue Erkenntnisse zur Crailsheimer Geschichte boten. Nimmt man hierzu die Notizen von Hans-Joachim König, die dem Verein inzwischen ebenfalls gehören, ist also ein beträchtliches Material bereitgestellt, um eine neue Heimatgeschichte zu verfassen. Hier ist eher die Menge des Stoffes und die personelle Knappheit ein Bremsfaktor, andererseits aber auch ein Anreiz. So scheint neuerdings sogar eine Dissertation zum Crailsheimer Spital anzulaufen, nachdem die Zulassungsarbeit von Rebecca Müller über den Crailsheimer Hochaltar bereits höchst erfreuliche Forschungsergebnisse erbracht hat. Weniger ergiebig sind demgegenüber die häufigeren Zulassungsarbeiten von Lehramtsanwärtern, da sie ihren Schwerpunkt auf die Verwendung des historischen Materials im Unterricht legen. Immerhin ist in Württembergisch Franken 2007 eine Geschichte des Crailsheimer Spitals im 19. und 20. Jahrhundert von Sabrina Ott erschienen, in der u. a. auch die Entstehung des Heimatmuseums und des Crailsheimer Altertumsvereins behandelt wird. Gescheitert ist leider die Zusammenarbeit mit der Universität Stuttgart hinsichtlich einer Arbeit über das Crailsheimer Schloss, und von der angekündigten Dissertation von Sascha Schmidt über die Keltensiedlungen im Landkreis ist bislang nichts mehr zu hören gewesen. Hier sind am ehesten noch die Geologen tätig, die aber nicht direkt von unserem Verein betreut werden. Gemeinsame Publikationen mit dem Stadtmuseum wie eine Darstellung der Crailsheimer Fayencen sind bisher ebenfalls vor allem am personel len Engpass gescheitert, sollten aber weiterhin im Auge behalten werden.

Würdigung und Ausblick

Damit kommen wir zu Würdigung und Ausblick, die beide etwas zwiespältig ausfallen: Positiv darf vermerkt werden, dass der Verein fest in die Organisation des Stadtfeiertags integriert ist und durchwegs mit mehreren Vereinsmitgliedern die Vorträge am Heimatgeschichtlichen Abend bestreitet, auch wenn der ursprünglich für die Planung tätige Stadtfeiertagsausschuss inzwischen aufgelöst ist. Ähnliches gilt für die Mitarbeit in der „Initiativgruppe Geschwister Scholl“, die mit den Gemeinderatsfraktionen und Vertretern anderer gesellschaftlicher Gruppen der Stadt einen informellen politischen Gesprächskreis darstellt. Schließlich läuft die Tätigkeit des Vereins halbamtlich im Rahmen der Volkshochschultätigkeit mit und wird damit als qualitätvolle Bildungsarbeit anerkannt. Umgekehrt erhält der Verein daher auch von der Stadt, von Volksbank, Kreissparkasse, Amtsgericht und manchen Crailsheimer Firmen Zuwendungen für seine Sonderveröffentlichungen, für „Die Schlacht um Crailsheim“ 1998 sogar den Landespreis für Heimatforschung der Volksbanken in Höhe von 10 000 DM. Die Volksbank finanzierte darüber hinaus die 11 Hefte „Bilder aus der Geschichte der Stadt Crailsheim“ von Hans-Joachim König und besorgte 1995 anlässlich Paul Walters Entlassung in den Ruhestand einen Nachdruck des Crailsheimer Kartenausschnitts aus Johann Georg Vetters Landesbeschreibung von 1741 samt Begleitheft. Die Kreissparkasse stiftete andererseits 3 000 DM für die Erarbeitung einzelner Forschungsthemen, wovon aber bisher leider nur 1 000 DM für die Arbeit von Rebecca Müller ausgegeben werden konnten.

In diesen Zusammenhang gehört auch der zunehmend engere Kontakt mit den Nachbarvereinen, von denen der Historische Verein für Mittelfranken am 16./17. Mai 1998 sogar seine Jahreshauptversammlung in Crailsheim mit Festvortrag, Museums- und Stadtbesichtigung sowie Exkursionen in das Hohenloher Land veranstaltete. Am 7. Juli 2003 nahm Hans Gräser auch wieder Kontakt zum Feuchtwanger Arbeitskreis auf, der allerdings kein eigener Verein ist und daher schwer dauerhafte Kontakte wahrnehmen kann. Am 12. Nov. 2004 vertrat Hans Gräser den Verein auch beim 100-jährigen Jubiläum des Geschichts- und Altertumsvereins Ellwangen, mit dem nicht nur ein Schriftentausch besteht, sondern auch im Rahmen des „Magischen Dreiecks“ zusammen mit dem Dinkelsbühler Verein Planungen für etwaige gemeinsame Veranstaltungen stattfinden. Das erste gemeinsame Thema, die Hexenverfolgung, konnte Crailsheim allerdings mangels Ausstellungsgutes nicht wahrnehmen, übernimmt aber u.U. die in Ellwangen realisierte Ausstellung zum Thema. Mit Dinkelsbühl, wo an der Einweihung des „Hauses der Geschichte“ am 18. Okt. 2008 Hans Gräser teilnahm, besteht darüber hinaus ebenfalls ein Schriftenaustausch, ebenso mit dem Mainfränkischen Verein für Kunst und Geschichte, dem Rothenburger Geschichtsverein und dem Archiv für württembergische Kirchengeschichte.

2006 feierte Hans Gräser mit dem Historischen Verein für Mittelfranken dessen 175-jähriges Gründungsjubiläum, mit dem Arbeitskreis Geologie in Kirch berg dessen 25-jähriges Bestehen und am 17. März den Spatenstich der AG Bahnbetriebswerk Crailsheim. Im Historischen Verein für Württembergisch Franken sind mehrere Vereinsmitglieder sogar im Ausschuss vertreten und sehen diesen Verein nach wie vor als Mutterverein an. Zahlreiche Referenten aus dessen Einzugsbereich haben bei uns Vorträge gehalten, aber ebenso aus Mittelfranken und mit Herrn Sponsel auch aus der Arbeitsgemeinschaft Ries. Als für das Symposium zu unserem 25-jährigen Vereinsjubiläum am 23. November 2008 hochrangige Referenten gesucht wurden, erlebten wir zu unserer Freude, dass sowohl unter den bisherigen Referenten, als auch bei anderen Wissenschaftlern, die erstmals angesprochen wurden, sofort Zustimmung zu finden war, und das trotz des bescheidenen Honorars, das wir seit Jahren zahlen. Offenbar hat der Verein einen gewissen Namen in unserer Landschaft gewonnen, weshalb Referenten selbst von weiter her gerne nach Crailsheim kommen, zumal sie hier ein aufmerksames und informiertes Publikum finden, freilich auch mit entsprechender Freude begrüßt werden, was dem Propheten ja bekanntlich im eigenen Land nicht immer gelingt.

Aber auch aus den eigenen Reihen konnten wir einen Großteil der Vorträge und Führungen bestreiten und nahmen unsererseits an auswärtigen Arbeiten teil: Folker Förtsch und Hans Gräser lieferten für die Kreisbeschreibung 2005 die Beiträge zu Crailsheim, Folker Förtsch ist zudem in das landesweite Unternehmen eines Mühlenatlas’ eingebunden und betreibt als Vorsitzender der „Initiative KZ-Gedenkstätte Hessental“ eine eigene Forschung- und Publikationstätigkeit. Ähnliches gilt für Karl Wiedmann mit seinem „Arbeitskreis Geologie“ beim Museums- und Kulturverein Kirchberg/Jagst oder für das Stadtmuseum im Verbund der Museen im Landkreis Schwäbisch Hall. Entsprechend gelangen regelmäßig Anfragen nicht nur an das Stadtarchiv, sondern auch direkt an den Verein, meist allerdings zu genealogischen Themen.

Andererseits ist wie in den anderen Vereinen auch eine ständige Vergreisung des Vereins festzustellen, auch wenn wir mit derzeit 163 Mitgliedern noch nicht den Mitgliederschwund wie etwa Württembergisch Franken zu verzeichnen haben. Aber gerade angesichts des 25-jährigen Bestehens ist doch zu bemerken, wie mit den Gründungsmitgliedern nach und nach die bisher führende Schar der Aktivisten abbröckelt. Dies war schon ansatzweise bei den verschiedenen Wechseln im Vorstand und Ausschuss zu beobachten, kann aber bei der Liste der inzwischen Verstorbenen noch deutlicher werden. Von Hans-Joachim König, Liesel Beck und Wilhelm Straub war bereits die Rede, von verstorbenen aktiven Mitgliedern will ich nur noch Herbert Bontz, Helmut Deißer, Rudolf Grünbacher, Karl Nicklaus, Wolfgang Ohlert, Franz Röhm und Bruno Vogelmann nennen, von Förderern Ernst Hippelein und Dr. Dieter Freiherrn von Crailsheim. Viele andere können an unseren Aktivitäten nicht mehr teilnehmen und unterstützen den Verein nur noch durch ihre Mitgliedsbeiträge. Fallen auch sie in absehbarer Zeit aus, wird ein erheblicher Rückgang der Mitgliederzahl zu verzeichnen sein, weshalb ich seit Jahren darauf dränge, durch einen Wechsel im Vorstand möglichst eine neue Klientel zu gewinnen. Dabei kann auch durchaus eine neue oder zusätzliche Zielrichtung verfolgt werden, die aber eben auch den Fortbestand des Vereins sichern muss. Denn dass ein gewisses Interesse an der Stadtgeschichte in der Crailsheimer Bevölkerung besteht, ist angesichts der beachtlichen Publikationsserie seit 1995 und des Ansturms zu den Stadtführungen unbestreitbar. Neue Köpfe sollten daher hier neue Ideen bringen, um die wertvolle Arbeit des Vereins auch für die Zukunft zu sichern.