Crailsheimer
Historischer Verein e. V.

von

Wappen sind Abzeichen, die stellvertretend für Personen oder Körperschaften stehen, diese quasi mit einem Zeichen versinnbildlichen und entweder vererbt werden oder auch durch obrigkeitliche Verleihung auf den Träger übergehen. Im nordwesteuropäischen Raum können Wappen bereits zu Beginn des 12. Jahrhunderts erstmals beobachtet werden, und zwar in Gestalt von bemalten Kampfschilden. Von hier aus verbreiteten sie sich über ganz Europa. Schon in der Zeit der Gotik war jene Sitte allgemein geworden und stand bereits damals, was die künstlerische Aussage anbelangt, in hohem Ansehen. Über lange Zeit blieb das Wappenwesen Ausdruck einer allerdings zunächst nur dem Adel vorbehaltenen Kultur, womit auch eine deutliche Abgrenzung zu den Familien, die kein Wappen besaßen, entstand. Ein damit einhergehendes Standesbewusstsein äußerte sich weiter in Gestalt von Siegeln, in Verbindung mit Porträts, Silber- und Goldgeräten, Baudenkmälern, Grabmalen usw. Damit ist alles, was sich um Wappen dreht, für den Kunsthistoriker und den Personengeschichtsforscher gleich reizvoll.

Es würde zu weit führen, wollte man diesen Sachverhalt hier vertiefend abhandeln. Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass sich im 14. Jahrhundert die Rahmenbedingungen insoweit veränderten, als die Wappenführung zunehmend in ein rechtliches Gefüge gestellt wurde, welches vor allem die Verleihungspraxis zum Gegenstand hatte und in der Dokumentation entsprechender Sachverhalte in einem Wappenbrief gipfelte. Gleichzeitig wurden Bedingungen formuliert, die auch in der formalen und künstlerischen Ausgestaltung der Diplome zum Ausdruck kamen, welche zukünftig Voraussetzung dafür waren, entsprechende Embleme benutzen zu dürfen. Erste Wappenverleihungen können in Italien zu Beginn des 14. Jahrhunderts festgestellt werden. Gleichzeitig kann beobachtet werden, dass diese nicht mehr nur dem Adel vorbehalten waren, sondern durchaus auch einfachen Bürgern, welche sich in irgendeiner Form hervorgetan hatten, zugute kommen konnten.

Das Recht, Wappen zu vergeben, war ursprünglich den Kaisern vorbehalten, die jene Verwaltungsakte in der hier interessierenden Zeit über die Wiener Hofkanzleien umsetzten. Neben der Reichshofkanzlei (wie der Name schon sagt, für die Reichsgeschäfte zuständig) gab es ergänzend noch die österreichische und die böhmische Hofkanzlei, die sich mit den habsburgischen Erbländern befassten und ebenfalls in Wien ansässig waren, sowie verschiedene weitere Hofkanzleien, die geographisch orientiert, auch die übrigen Länder der Habsburger entsprechend mit einbezogen, manchmal allerdings nur zeitweise. Entsprechendes kann in Bezug auf das Kaiserhaus damit auch außerhalb der Reichsgrenzen beobachtet werden, und in diesem Zusammenhang war speziell die ungarische Hofkanzlei maßgeblich. Auch die deutschen Reichsfürsten haben fallweise Wappen verliehen, wobei dies erst ab dem 18. Jahrhundert auf breiterer Basis erfolgte. Neben diesem von staatlicher Seite gepflegten Wappenwesen konnten sich ab der Mitte des 14. Jahrhunderts sogenannte „Hofpfalzgrafen“ etablieren, denen von Seiten der Kaiser das Recht auf Verleihung von Wappen übertragen wurde. Diese finden sich überall im deutschen Sprachraum, speziell im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts3. Mit dem Ende des Alten Reiches 1806 ging diese Übung zu Ende, während Wappenverleihungen ansonsten noch bis zum Ausgang der Monarchie 1918 vorgenommen wurden.

Das alles kann auch in Crailsheim beobachtet werden, was als solches durchaus nicht ungewöhnlich ist, war doch die Stadt, als zweitwichtigste Gemeinde des Markgraftums Brandenburg-Ansbach nach der Landeshauptstadt, Wohnort für eine gehobene Beamtenschaft und reichsritterschaftliche Familien, welche es sich angelegen sein ließen, ihren Stand auch mittels Wappen zu unterstreichen. Dies ist noch heute sichtbar, wenn man mit offenen Augen über den alten Crailsheimer Gottesacker geht, die Johanneskirche besucht oder auch, wenn man im örtlichen Stadtmuseum die Exponate der zeitlich und thematisch einschlägigen Abteilungen etwas genauer betrachtet.

Im Laufe vieler Jahrhunderte wurden Zehntausende von Wappen verliehen, wobei das bis Anfang des 17. Jahrhunderts üblicherweise mittels aus einem Blatt bestehenden Wappenbriefen dokumentiert wurde. Später kamen sogenannte „Libelle“ zur Ausfertigung, welche, zumeist in roten Samt gebunden, die Pergamente zusammenhielten. Neben Verleiher und Begünstigten, Unterschriften, Ort und Datum, wurde hier meistens auch begründet, warum es zur Wappenverleihung gekommen war. Höhepunkt dieser Ausführungen war die Beschreibung des Wappens und dessen bildhafte Darstellung. In den großen deutschen Archiven haben sich entsprechende Stücke vielfach erhalten, wobei die Kollektion des Bayerischen Hauptstaatsarchivs in München mit mehr als 400 Exemplaren mit weitem Abstand den größten derartigen Bestand verkörpert. Auch wenn diese Zahlen beeindruckend sind, so bleiben sie mit Blick auf die damit einhergehende zeitliche Dimension allemal bescheiden, gelangten doch im Verlauf der Jahrhunderte Tausende von Wappenbriefen zur Ausfertigung[^3a]. Insoweit ist die nachstehend vorgestellte Ausbeute bezogen auf Crailsheim ebenfalls bescheiden, denn es kann davon ausgegangen werden, dass nahezu die gesamte vor Ort vorhandene Oberschicht ein Wappen besaß.

Der ältere der beiden hier zur Diskussion stehenden Wappenbriefe wurde dem Crailsheimer Georg Hofmann am 28. August 1593 verliehen. Dabei handelt es sich um ein einzelnes Blatt, welches, auf Pergament geschrieben und gemalt, Einschlägiges wiedergibt. Dieses Diplom hat sich nur in Form einer Abschrift erhalten, womit uns wenigstens der hier dokumentierte Sachverhalt bekannt geblieben ist. Anscheinend gelang es Hofmann, von welchem wir nicht einmal den Beruf kennen – auch in einem öffentlichen Amt kann er in Crailsheim nicht nachgewiesen werden - bei dem in Heidelberg lebenden Hofpfalzgrafen Paulus Melissus ein Wappen zu seinen Gunsten zu erwirken5. Sofern man keine auffallenden Verdienste vorzuweisen hatte, genügte auch das notwendige Geld, um zu einem Wappen zu gelangen. Mindestens über Letzteres muss Hofmann demnach verfügt haben.

Ähnlich problematisch ist die Situation mit Blick auf die Lebensumstände Hofmanns. Dies gilt auch für eine Verehelichung. Zwar lässt sich im Heiratsregister der Johanneskirche6 für das Jahr 1600 die Eheschließung eines Georg Hofmann mit Barbara, Tochter des aus Erding stammenden Barthel Wanger7, nachweisen, doch bleibt fraglich, ob damit wirklich unser Georg gemeint ist. Schließlich gab es in der fraglichen Zeit im benachbarten Ingersheim einen weiteren Gleichnamigen. Immerhin scheint sicher, dass der hier interessierende Georg Hofmann am 28. August 1645 in Crailsheim begraben und, indem er im Rahmen des diesbezüglichen Kirchenbucheintrages als „Herr“ angesprochen wurde, wird seine hervorgehobene Stellung in der kleinen Landgemeinde zum Ausdruck gebracht. Sein Alter wurde bei dieser Gelegenheit mit 76 angegeben, woraus sich als Geburtsjahr 1569 errechnen lässt. Allerdings kann um diese Zeit in den Crailsheimer Kirchenbüchern keine Taufe für einen Georg Hofmann festgestellt werden und der Spekulation bleibt es auch überlassen, ob dessen Eltern wirklich der Wirt Barthel Hofmann und eine Margarethe waren, was gelegentlich in der Literatur aufscheint. Denkbar ist auch, dass Identität mit einem in der fraglichen Zeit in Crailsheim lebenden Baltzle Hofmann gegeben ist8. Margarethe heiratete jedenfalls in zweiter Ehe den Crailsheimer Hans Schweicker. Sein Leben beschloss Georg Hofmann als Pfründner im örtlichen Spital, und möglicherweise war dies Konsequenz aus dem am 5. November 1613 erfolgten Kauf einer Spitalpfründe um 300 Gulden durch einen damals nicht in Crailsheim lebenden Georg Hofmann.

Dies alles würde auch bedeuten, dass Hofmann bei der Wappenverleihung gerade 24 Jahre alt war, was einigermaßen verwunderlich ist, genauso wie die Tatsache, dass sein aus Sicht der Crailsheimer Quellen allem Anschein nach einziges Kind Johann Georg erst 1613 geboren wurde, als der Vater schon im fortgeschrittenen Alter von 44 Jahren stand. Jener Umstand mag den protokollierenden Pfarrer dazu verleitet haben seinen Taufeintrag mit dem Zusatz „vivat“ zu ergänzen, was unausgesprochen den vielleicht schon lang ersehnten Nachkommen feiert. Als Mutter wird bei dieser Gelegenheit eine Barbara vermerkt, was immerhin für einen Zusammenhang mit der vorstehend erwähnten Heirat spricht.

Insoweit kann vermutet werden, dass Georg Hofmann entscheidende Jahre fernab von Crailsheim zubrachte, und auch der Kontakt zum Hofpfalzgrafen Melissus mag damals zustande gekommen sein. Seit 1571 lebte dieser aus Mellrichstadt stammende Mann am kurfürstlichen Hof in Heidelberg. Ausgestellt wurde der Hofmannsche Wappenbrief ebenfalls am Neckar und, nachdem die erhaltene Kopie eine äußerst qualitätvolle Wappenzeichnung wiedergibt, kann davon ausgegangen werden, dass auch das Original entsprechend ausgestattet war. Dieses war jedenfalls zum Zeitpunkt, als die Abschrift zur Anfertigung gelangte, noch vorhanden. Sonst hätte der Ansbacher Notar Zacharias Georg Friedrich Schandig am 23. Juni 1730 die Übereinstimmung von Original und Kopie nicht bestätigen können. Dass diese Festlegung in der Hauptstadt des Markgraftums Brandenburg-Ansbach erfolgte, lässt sich damit erklären, dass damals verschiedene Nachkommen des Georg Hofmann hier wohnten, und anscheinend war es einer dieser Personen wichtig gewesen, wenn nicht das Original, so doch wenigstens eine Abschrift zu besitzen.

Es würde zu weit führen, wollte man die Wege, welche Hofmanns Nachkommen während des 17. und 18. Jahrhunderts quer durch das Markgraftum nahmen, weiter verfolgen. Jedenfalls haben diese das Wappen ihres Ahnherrn geführt. Dies wird u. a. anhand eines Eintrages seines Sohnes Johann Georg in das Stammbuch des Johann Bernhard Winterbach im Jahre 1647 deutlich. Ebenso erinnern auf zwei nebeneinander stehenden Grabsteinen an der Außenwand der Kapelle auf dem alten Crailsheimer Friedhof die Wappen der Familien Hofmann und Brückner an zwei Enkelkinder (Johannes Matthias, gestorben 1643, und Susanna Margaretha, gestorben 1666) des Georg Hofmann (Abb. 3 und 4). Nachdem deren Vater Johann Georg 1638 die Tochter Anna Sophia des Crailsheimer Kastners Valentin Brückner heiraten konnte, ist es nicht weiter verwunderlich, dass diesem der Aufstieg zum Stadtschreiber in seiner Heimatstadt gelang. Unter dessen zahlreichen weiteren Kindern setzte sich der soziale Aufstieg fort: Soweit es sich um Söhne handelte, fanden sie im höheren Verwaltungsdienst bzw. als Pfarrer ihr Auskommen.

Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse auch im Fall des zweiten hier vorzustellenden Wappenbriefes. Dabei handelt es sich um ein Diplom, das Kaiser Ferdinand II. am 15. Juni 1629 in Wien zur Ausfertigung brachte. Damit wurde den Brüdern Johann Werner, Johann und Wolf Georg Frobenius nicht nur ein Wappen, sondern auch der Adel verliehen. Nicht von ungefähr wurde hierbei der Jüngste der Geschwister zuerst genannt, betätigte sich dieser doch damals als Sekretär des Monarchen. Deshalb kann vermutet werden, dass er die treibende Kraft bei der Verleihung war. Geboren wurden die drei Männer 1599, 1582 und 1597 in Crailsheim als Söhne des seit 1579 vor Ort amtierenden Stadtschreibers Johannes Frobenius und seiner Ehefrau Anna geb. Götz.

Welche hervorgehobene Stellung Frobenius innerhalb der Stadt zukam, wird auch mit Blick auf die Paten seiner Kinder deutlich, die entweder unter dem Crailsheimer Bürgertum zu finden sind oder etwa in Gestalt des Reichsritters Hans Werner von Wollmershausen zum Namensgeber für den späteren Hofsekretär wurden. Auch bei der Herkunft der Eheleute Frobenius-Götz wird Entsprechendes erkennbar: Brüder von Johannes waren als Pfarrer im thüringischen Hettstedt, als markgräflicher Rat in Ansbach, als Bürgermeister in Iphofen und als Stadtschreiber in Ansbach tätig. Ihr Vater Vollmar Frobenius war Pfarrer im thüringischen Stadtilm, wo er die Reformation eingeführt hatte. Er war mit einer Schutzjüdin verheiratet, bei deren Taufe in Ichtershausen Martin Luther 1531 die Patenschaft übernommen hatte. Gleichzeitig gibt es begründeten Anlass zu der Vermutung, dass die Frobenius eines Stammes mit dem aus Hammelburg stammenden bekannten Basler Buchdruckergeschlecht Froben waren. Ähnlich sah es im Falle der Familie Götz aus. Anna war nämlich die Tochter des Hofmeisters der „alten Fürstin“ Johann Götz in Ansbach.

Der Sohn Hans Werner war im Übrigen das letzte Kind, welches Johannes Frobenius in Crailsheim zur Taufe brachte. Damals hatte er bereits seinem Nachfolger Johann Schrotzberger die Stelle als Stadtschreiber überlassen, der schon seit dem Vorjahr dieses Amt bekleidete, denn trotz seiner Gelehrsamkeit hatte Frobenius seinen Posten wegen Trunksucht aufgeben müssen. Danach kann er als Gegenschreiber in Hoheneck und als Vogt in Lentersheim nachgewiesen werden, zwei Positionen, welche von vergleichsweise bescheidener Bedeutung waren. Am 12. August 1616 wurde Frobenius in Bayreuth begraben. Letzteres war durch aus naheliegend, lebte doch sein ältester Sohn Johannes mittlerweile als Jurist und Hofrat an diesem Ort, und auch den zweiten Sohn Wolf Georg hatte sein Lebensweg hierher geführt, nachdem er sein Theologiestudium mit der Magisterprüfung abgeschlossen und als Subdiakon in Bayreuth Anstellung gefunden hatte. Die Mutter der beiden ist nach dem Tod des Ehemanns in ihre Heimatstadt Ansbach zurückgekehrt, wo 1617 auch sie der Tod ereilte.

Ähnlich wie im Falle der Familie Hofmann erinnert in Crailsheim ein Grabmal an jung verstorbene Kinder aus der Familie Frobenius. Dieses befindet sich im Inneren der Crailsheimer Friedhofskapelle. Dabei handelt es sich um Susanna und Christina, die beiden 1580 bzw. 1590 verstorbenen Töchter des Johannes. Jener Grabstein ist auch deshalb von großer Bedeutung, weil er die Wappen des Ehepaares Frobenius-Götz farbig gefasst zeigt. Im Rahmen der Adelsverleihung von 1629 sollte das Wappen Götz in Form einer Wappenbesserung dem ursprünglichen Emblem der Familie Frobenius hinzugefügt werden. Dieses vermehrte Wappen führten die Freiherren von Froben, Nachkommen des Bayreuther Hofrates Johannes Frobenius, bis zu ihrem Aussterben im Jahre 1910 und auch ein bürgerlich gebliebener Zweig der Familie.

Vermutlich gelangten 1629 drei Wappenbriefe für die Familie Frobenius zur Ausfertigung. Offenbar wollte jeder der drei Brüder über ein eigenes entsprechendes Dokument verfügen. Alle Exemplare waren mit den Unterschriften des Kaisers, des österreichischen Hofkanzlers Johann Baptist Freiherr von Verdenberg, des Sekretärs Tobias Gertinger und des Registrators Johann Liebenberger versehen, ein Exemplar wies ergänzend noch das Siegel Ferdinands II. auf, wodurch es zum Original wurde. Jenes Exemplar wurde wohl dem ältesten der Brüder oder auch dem Hofsekretär Hans Werner Frobenius überlassen. Dieses Diplom scheint nach Anfertigung der Beglaubigung 1713 verloren gegangen zu sein, während die beiden anderen die Zeiten überdauert haben. Landrichter und Assessor am kaiserlichen Landgericht des Burggraftums Nürnberg bestätigten jedenfalls am 19. April des fraglichen Jahres, die beiden weiteren Ausfertigungen mit dem Original verglichen und für deckungsgleich befunden zu haben. Damals lebten Nachkommen im Mannesstamm des ältesten der Frobenius-Brüder in Ansbach, welche sich vor Ort als Kammerdiener und Mundschenk betätigten, was den Verwaltungsakt ausgelöst haben mag.