Crailsheimer
Historischer Verein e. V.

von

Das Dorf Morsbach ist im Juli des Jahres 1686 von einem schweren Schadenfeuer heimgesucht worden und damals fast zur Hälfte abgebrannt. Der Wiederaufbau erforderte eine Anzahl Zimmerleute, und so könnte auf der Wanderschaft auch der 21 Jahre alte Zimmergeselle Leonhard Lösch nach Morsbach gekommen sein, wo er sesshaft geworden ist. Er war im Jahr 1666 als Sohn des Jörg Lösch in dem (damals zum Ansbachischen gehörigen und 50 Kilometer in der Luftlinie von Morsbach entfernten) Dorf Hornau im Aischgrund, nordöstlich von Windelsbach geboren. Vermutlich war der Vater Lösch schon ein Zimmermann; denn gegen Ende des 17. Jahrhunderts hat sich noch einer dieser Sippe, wohl ein Bruder des vorerwähnten Leonhard Lösch, der Zimmermann Johann Leonhard Lösch (1680 bis 1761) in Künzelsau niedergelassen. Leonhard Lösch schloss Anfang Februar 1691 in der Morsbacher Wehrkirche die Ehe mit Anna Barbara, geborene Rückert (1668 bis 1702). Aus dieser Ehe entstammten drei Söhne – von denen nur einer den hohenlohischen Zweig dieser Lösch-Familie fortsetzte.

Der am 19. April 1697 in Morsbach geborene Johann Leonhard Lösch (1697 bis 1765) verlor schon im März 1702 seinen bloß 36 Jahre alten Vater. Ein Jahr später heiratete seine Mutter den Zimmermann Hans Michael Filipp. Der fünfjährige Johann Leonhard Lösch ist nach Flecks Mutmaßung in Hornau im großelterlichen Hause aufgenommen worden. Bei wem er dann so vom Jahr 1712 ab das Rot- und Glockengießerhandwerk erlernt hat (vielleicht im Reichsstädtchen Dinkelsbühl bei den Brüdern Nikolaus und Alexander Arnolt oder etwa in der Reichsstadt Nürnberg?) ist nicht mehr bekannt. Um das Jahr 1723 eröffnete Johann Leonhard Lösch in Morsbach neben der Kocherbrücke eine Glockengießer-Werkstatt. Aus dem Jahr 1724 ist der erste Glockenguss überliefert, für Tüngental.

Ende August 1724 hatte sich Johann Leonhard Lösch in Morsbach mit der ortsansässigen Maria Barbara Jacob (1703 bis 1765) verheiratet, der Tochter eines Benders (Küfers). Zwölf Kinder gingen aus dieser Ehe hervor, wovon jedoch nur vier erwachsen wurden.

Zwei Söhne haben – vermutlich beim Vater – das Rot- und Gelbgießer-Handwerk erlernt, der im Jahr 1730 geborene Johann Ernst Lösch, der spätere Crailsheimer, und der am 26. Jan. 1741 in Morsbach geborene Johann Georg Lösch. Dieser war 24 Jahre alt, als sein 68-jähriger Vater Johann Leonhard Lösch im September 1765 das Zeitliche segnete, und übernahm nun die Morsbacher Gießhütte. Er heiratete im Mai 1767 eine Verwandte seiner Mutter, Eva Maria, geborene Jacob (1748 bis 1801). Er starb 75-jährig am 3. Mai 1816 als Witwer in Morsbach.

Diesem zweiten Morsbacher Glockengießer folgte der Sohn Johann Ludwig Lösch (1772 bis 1821), auch Glockengießer und Rotschmied. Er hatte 1802 die Werkstatt vom Vater übernommen. Mit diesem Sohn Johann Ludwig – dem Morsbacher – dokumentiert sich bereits der Niedergang der Branche. Er wird in den amtlichen Dokumenten nicht nur als Glockengießer, sondern auch als Weingärtner geführt, dürfte also in signifikantem Umfang aus diesem Zweitberuf den Unterhalt seiner Familie bestritten haben. Und hatte er bei der zweiten Eheschließung 1816 noch 1488 Gulden Vermögen, so hinterließ er nach Abzug der Schulden 1821 gerade mal 126 Gulden. Nachkommen – darunter auch Namensträger – lebten noch bis in das 20. Jahrhundert im Dorf, in der Landwirtschaft und im Weinbau tätig.

Nach seiner – angenommenen – Lehrzeit in Morsbach und wohl nach der üblichen Wanderschaft als Handwerksgeselle hat sich der am 27. März 1730 in Morsbach geborene Johann Ernst Lösch mit Maria Elisabetha Jung aus Kirchberg verheiratet und ließ sich im Jahr 1754 in Crailsheim als Rotschmied und Glockengießer nieder. Zwar hatte im Jahre 1735 in der Stadt wohl schon die Glockengießerei eines Johann Berger bestanden, über die jedoch kaum etwas bekannt ist. Es ist auch kaum zu vermuten, dass Lösch hier nach so großem zeitlichem Abstand die Nachfolge antrat.

Lösch hatte, nach Feststellungen des Crailsheimer Heimatforschers Wilhelm Frank, seine Werkstätte in Crailsheim „hinter dem Siechenwasen“, etwa am Platz des heutigen Karl Haußmannschen Hauses in der Bahnhofstraße. Seine Wohnung, in der auch das Löschsche „Kontor“ untergebracht war, befand sich in dem im Jahr 1766 am Platz des alten Crailsheimer Schießhauses errichteten (1945 durch Brand zerstörten) Gebäudes Nr. 24 der Wilhelmstraße, worin seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Gastwirtschaft „Zu den drei Königen“ betrieben wurde.

Über dieses Objekt hat sich im Stadtarchiv Crailsheim eine Augenscheinsverhandlung vom 27. Sept. 1754 erhalten. Nachdem Lösch das bißherig buswürdige Schießhaus […] von gemeiner Statt sehr theuer gekaufet habe, folgl. einige Sublevation allerdings würdig seyn gewesen, wurde ihm von der Gemeinde kostenlos eine angrenzende Fläche von 22 mal 30 Schuh unentgeltlich überlas sen, um dort eine Schmelz= oder Gießhütte zu errichten, nebst einer Fläche vor dem Haus, die sich biß zum Anfang des bißherig Kugel Plazes erstreckte. Begründet wurde dieser Schritt auch damit, dass er nicht nur durch seine Profession der hiesig Statt ein Renommé erwerbe, und als gdst. privilegirter Land Glockengießer eine schöne Nahrung zuziehe .

Er führte dann ein florierendes Unternehmen und konnte durch den Erwerb einer dortigen Gießhütte den Betrieb auf Ansbach ausdehnen.

Johann Ernst Lösch (1730 bis 1810) war neben seinem Hauptberuf lange Jahre als Stadtkämmerer tätig und gehörte auch dem „äußeren Rat“ an. An seiner Biographie manifestierte sich die Veränderung der politischen Landschaft: Einstmals als Untertan der Freiherren von Stetten geboren, unterstand er lange Zeit markgräflich ansbachischer Herrschaft, musste zu Ende des Jahres 1791 mit seinen Crailsheimer Mitbürgern preußischer Staatsangehöriger werden, im Dezember 1805 bayerischer Untertan und im April 1810 Württemberger. Johann Ernst Lösch ist am 13. Nov. 1810 80-jährig in Crailsheim verstorben.

Sein Sohn, Johann Friedrich Melchior Lösch (geboren am 13. Juli 1767, gestorben am 28. Nov. 1836, jeweils in Crailsheim) hat auch das schon vom Vater, vom Onkel und vom Großvater ausgeübte Handwerk erlernt. Er wurde als Stück- und Glockengießer bezeichnet, als er im Dezember 1799 in Lendsiedel die Kirchbergerin Maria Dorothea, geborene Wolf (1772 bis 1842) ehelichte. Fünf Kinder, darunter zwei Söhne, gingen aus dieser Verbindung hervor. Aus dem Jahr 1800 ist der Übergabevertrag zwischen ihm und seinem Vater Johann Ernst überliefert. Der Sohn übernahm neben Wohn- und Gießhaus auch die in Ansbach stehende Gießhütte. Der Kaufpreis von 4000 Gulden blieb zu 3% verzinslich stehen. Im Gießhaus war eine Ausdingwohnung neu eingerichtet worden. Im Übrigen bekam der Vater von jeder fertigen Feuerlöschspritze 11 Gulden, bei Glockenarbeiten und Brunnenwerken 2 Gulden 45 Kreuzer pro Zentner Gewicht des fertigen Produkts.

Gut ging der Betrieb der Gießhütte nicht mehr – zumindest hatte die Familie mit finanziellen Problemen zu kämpfen.

Eine Tochter des Johann Ernst, Sabina Maria, hatte den Waagmeister Johann Albrecht Tradler in Crailsheim geheiratet. Um diesem Schwiegersohn die Anschaffung eines größeren Warenlagers zu ermöglichen, hatte ihm Lösch eine Bürgschaft geleistet. Tradler war jedoch spätestens 1808 in Gant geraten.

Schon damals waren gegen den Sohn, Johann Friedrich Melchior, langjährige Forderungen anhängig. Er hatte sich von Fabrikant Most zu Crailsheim 1801 450 Gulden, 1803 nochmals 100 Gulden geliehen – die nach dem Tod des Gläubigers gekündigt worden waren. Da Lösch das Kapital nicht zurückgezahlt hatte, klagte die Witwe Most 1807. Es kam schließlich zur Pfändung und Zwangsversteigerung – jedoch zeigte am 19. Febr. 1808 Gerichtsdiener Bauer an,

daß er die Exekution bei dem Loesch zwar vollzogen habe, derselbe aber außer seinem Hauße nicht so viel Mobilien besize, um die Summe von 612 fl 33½xr durch Auspfändung zu erlangen.

Gleichzeitig hatte die Stadtpflege Crailsheim eine offene Rechnung mit Johann Friedrich und dessen Vater Johann Ernst Lösch: 1801 war der Spitalkirchturm um ein Stockwerk abgetragen worden, dabei wurde die größere Glocke Lösch zum Umgießen gegeben, welcher allerdings die Arbeit verzögerte. Dafür war das in der St.-Wolfgangs-Pflege gehangene kleine Glöcklein an ihrer Stelle aufgehängt worden.

Für die zersprungene Spitalglocke hatte Lösch 28 Kreuzer für das Pfund geboten; er bekam die 252 Pfund wiegende Glocke zum Pfundpreis von 29 Kreuzern, und verwendete das Material zum Glockenguss nach Onolzheim 1807. Als nun die beiden Glocken in Onolzheim aufgehängt waren, jedoch noch keine Zahlung erfolgt war, wurden beide Glockengießer Johann Friedrich und Johann Ernst Lösch am 20. Nov. 1807 von der Stadtpflege dazu aufgefordert, binnen zweimal 24 Stunden die ausstehenden 121 fl 48 xr zu bezahlen. Die Löschs entschuldigten sich am 21. November damit, selbst von Onolzheim noch keine Bezahlung erhalten zu haben, weil es dort Verhandlungen und Schwierigkeiten gäbe.

Johann Friedrich Lösch schrieb am 14. Dezember noch:

[…] muß ich hiedurch ganz gehorsamst bitten daß dieselben noch einige Tage wegen der Bezahlung der erhaltenen Spital-Glocke gütigst verzeihen wollen. Ich habe in der Stadt Rothenburg einige Gelder zu vereinnahmen – daher ich als Morgen wann es die Witterung zuläßt – dahin reißen will um zu meinem Geld alldorten zu gelangen; und sonach um somehr das Ganze meiner Schuldigkeit berichtigen zu können. Hätte mein Vater unterdeßen sein Geld mit 367 fl – von meinem Bruder in Bayreuth erhalten – welches er von selbigen schon seit dem verfloßenen lezten Junii anheuer zu praetendiren hat – wenigstens noch in diesem Jahr eine Abschlags Zahlung noch von ihme bekommen soll. So wäre die Sache ohne Verzug von mir berichtiget worden. Indeme mich mein Vater gern damit versehen hätte – rücksichtl. auch seiner eigenen Garantie hiebei. Ich verhoffe demnach dero gütigste Nachsicht deßhalb – und verharre mit der ausgezeichneten Hochachtung.

Am 15. Dez. 1807 schrieb Herr Koch von der Rendantur (Kassenstelle) an beide Glockengießer:

Denen beeden H. Stuck und Glockengießer Loesch Senior und junior, ist die zersprungene hießige Spital Gloke zum Glocken Guß nacher Onolzheim unter ihrem feierlichen Versprechen kaeuflich überlaßen worden, daß nach Ablieferung der Glocken nach Onolzheim die Zahlung von ihnen, als ehrlichen Männern, ohne vieles Mahnen von selbsten erfolgen werde. Alleine! Die Glocken nacher Onolzheim sind längstens abgeliefert, und die Guß Kosten von der Gemeinde daselbst erhoben, die Spital Pflege aber will man jetzt mit ihrer Forderung für die dazu abgegebene Gloke auf Erhebung anderer unbekannter Forderungen versprechenswidrig verweisen. Unter zeichnete Stelle kann sich auf diese ungewiße und nur auf Zahlungs=Verzögerung hinzielende Versicherungen in dem gestrigen Schreiben des H: Loesch junior, schlechterdings nicht vertrösten lassen, sondern muß hiemit ohne weitere schriftliche Einlassung, zum lezten mal zu erkennen geben, daß wann dies als ehrliche Männern auf feyerliches Versprechen verabfolgte Spital Glocke bis nächsten Donnerstag mit 121 fl 48 x nicht bezahlt sein wird, als dann ohne weiters das Königliche Stadt Gericht um gerichtliche Zahlungs Verfügung auf ihre Kosten requiriret werden muß.

Am 19. Dez. 1807 reichte Koch die Klage beim Stadtgericht ein. Der Vater half mit seinem Vermögen als Bürge. Als er 1810 starb, bestand sein Vermögen noch aus 4 000 Gulden. Nun, nach dem Tode des Johann Ernst und der Verteilung seines Nachlasses unter sechs Kindern hatte die Verwaltung keinen Grund, zuzuwarten – über Johann Friedrich Melchior Lösch brach der Konkurs aus.

Das Oberamtsgericht Crailsheim gab unterm 7. Mai 1811 bekannt:

Da die Ganntmasse des obärierten Glockengießers Johann Friedrich Lösch dahier den Altlöschi[s]chen Relikten und Erben als Hypothekgläubiger zugeschlagen werden soll, so wird zu dem Ende die Immobilienbenutzung des gedachten Ganntmannes, bestehend in einem zweistockigten Wohnhause, worin parterre die Glo ckengießerswerkstätte eingerichtet ist, dann in dem gegenüberstehenden besonders gebauten Gießhause mit einer eigenen Wohnung im zweiten Stocke und einem am Wohnhause liegenden Berggarten, im Wege der öffentlichen Versteigerung meistbietend verkauft, und hierzu ein peremtorischer Termin auf Mittwoch den 5. Junius Vormittags 8 Uhr anberaumt. Liebhaber dazu werden daher eingeladen, sich am gedachten Tage zur bestimmten Stunde auf hiesigem Rath hause einzufinden.

Der Schwiegersohn des alten Johann Ernst Lösch, Schullehrer Reiner zu Gründelhardt kaufte am 1. Juni 1811 namens seines Sohnes Johann Ludwig Reiner, Stück- und Glockengießer, das Anwesen aus der Gantmasse seines Schwagers für 1600 Gulden, wobei die jüngste ledige Tochter Lösch, Margareta, bis zu ihrer Versorgung in der Wohnung im Gießhaus bleiben durfte.

Reiner betrieb die Gießhütte als Feuerspritzenmacher und Glockengießer und hatte 1823 einen Gesellen, der Verdienst war gut. Ein Jahr später wurde er steuerlich geringer eingestuft, zwei weitere Jahre später war er tot. Seine Witwe heiratete 1827 Georg Leonhard Schöller – der als Hufschmied das Anwesen übernahm. Damit war das Glockengießergewerbe auch in Crailsheim zu seinem Ende gekommen. Die Glockenforscherin Sigrid Thurm wies darauf hin, dass der ab 1824 in Langenburg wirkende Glockengießer Johann Georg König genau die gleichen Schmuckteile wie Lösch verwendete – möglicherweise hatte er die Gussmodel gekauft.

Reiner wurde von seinem Vorgänger Johann Friedrich Melchior Lösch überlebt, dem am 25. Mai 1821 in Crailsheim ein Zeugnis ausgestellt worden war:

Dem Vorzeiger dis Joh. Friedrich Lösch dahier 55 Jahre alt, wird hiemit bezeugt, daß er nicht nur ein ganz geschikter Stuk- u. Glokengieser ist, sondern auch wegen seiner wißenschaftl. u. moralischen Bildung sich zu jedem oekonomischen Geschäft auch wegen seiner guter Schreibkenntniße zu einem Decopisten oder Hauslehrer für kleine Kinder bis ca 9 Jahren eignet. Zugleich wird demselben bezeugt, daß er durch den allgemeinen Druck der Zeit u. durch unverschuldete ungünstige Zufälle sein Etablissement verlassen, u. seitdeme seinen Unterhalt auswärts suchen mußte. Er ist verheiratet, u. Vater v. 3 Kindern, sein moralischer Wandel ist sehr gut, u. lobenswerth, er kan deshalb Jedermann bestens empfolen werden. Stadtschultheißenamt.

Was er all die Jahre tat, ist noch unbekannt. Er ist am 28. Nov. 1836 in Crailsheim verstorben.

Schon mit dem Vater Johann Ernst zusammen hatte ein weiterer Sohn, Johann Ludwig Lösch (1763–1822) – der St. Georgener – je eine Gießhütte in Ansbach und 1789 in St. Georgen bei Bayreuth gekauft, welche dieser Sohn in Gesellschaft mitbetrieb. Über ihn ist noch nicht so viel bekannt. Weitere Forschungen werden sicher noch mehr Informationen liefern. Die Herren Lösch hatten ein Privileg für das gesamte Markgraftum erworben und die Konkurrenz ausgeschaltet – was ihnen in den besten Jahren sicher den wirtschaftlichen Erfolg sicherte.

Trotz der räumlichen Trennung waren die Löschs miteinander geschäftlich verbunden gewesen, nach deren Tode gab es immerhin für die Erbinnen Anlass, gegeneinander zu prozessieren, worauf ein weiteres Zeugnis hindeutet:

1826, 7. April, Zeugnis für die ledige Marg. Loesch, Tochter des längst verstorbenen u. gewesenen Stadt Baumeisters u. Glokengiesers Loesch dahier, die ganz vermögenslos ist u. in drükender Armut lebt, somit außer Stande ist, bei ihrem vermäßigten [?] Erbschaftsstreit gegen die Wittwe Lösch in Sct. Georgen Gerichtskosten u. Stempelgebühren zu bezalen, daher sie zu Verleihung des Armenrechts empfohlen wird.

Einer der beiden Söhne des Johann Friedrich Melchior, der im Jahr 1806 geborene Georg Christoph Lösch, ist im Jahre 1842 ausgewandert; ob er auch seines Vaters Handwerk erlernt und betrieben hatte, ist nicht mehr bekannt. Der andere Sohn, Carl Ludwig Friedrich Lösch (1808 bis 1842), wirkte als Schneider in Crailsheim.

Wie bereits deutlich wurde, entstammen den Löschschen Werkstätten nicht nur Glocken, sondern auch Feuerlöschspritzen. Diese gab es seit mindestens 1746 aus Morsbach. Aus der Crailsheimer Werkstatt sind auch auf Vierradgestellen montierte Feuerspritzen hervorgegangen, die zum Teil bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts noch im Gebrauch waren.

Kanonen sind ebenfalls von ihnen gefertigt worden – aber auch eine Vielzahl von Kleinteilen: Wasserhähne, Wasserrohre, Mörser und Siedpfannen sind weitere Beispiele. Allen gemeinsam ist die Materialbeschaffenheit: Bronze, die bei einer Schmelztemperatur bis 1 000°C verarbeitet werden kann. Wichtig war für die Löschs dabei das Wirken als Altmetallhändler – ideal war es, eine zersprungene oder sonst unbrauchbare Kanone zu erwerben, wie schon 1723 Johann Leon hard in Schloss Stetten

das Metallene stücklein, so auf dem thürnle gelegen, kaufte, welches 454 Pfund wog.

In diesem Sinne – „Schwerter zu Pflugscharen“ – ist leider im 20. Jahrhundert das Umgekehrte geschehen. In den beiden hinter uns liegenden Weltkriegen ist ja bekanntlich von den Jahren 1915 beziehungsweise 1940 ab unter dem Schlagwort „Rüstungsbedarf“ auch nach Kirchenglocken gegriffen worden, und viele unserer Kirchen lieferten ihr Geläut ab. Dennoch ist es aus älteren Dokumentationen, aus Archiven, aber auch aus etlichen noch bestehenden Glocken möglich, rund hundert Glocken zu benennen, die aus der Löschschen Werkstatt stammen.

Durch die Bank wurden die Glocken mit volkstümlichen Schmuck versehen. Sigrid Thurm schrieb über die Crailsheimer Johann-Ernst-Lösch-Werkstatt:

In seiner Anfangszeit erscheint bei ihm zumeist noch in der Verbindung mit der Giessermarke und dem Engelskopf eine rechteckige Plakette mit einer Kreuzigungsgruppe, die zwar anders geformt ist als die Morsbacher, aber ebenfalls aus der Volkskunst herzuleiten ist. Später wird die Gruppe in einen ovalen Lorbeerrahmen gesetzt, der wie schon bei seinem Vater seine schön gezeichneten Wappen umfängt. Bei seinen Friesen macht sich ein retrospektiver Zug bemerkbar. Anknüpfend an die Gotik, verbindet er Kleeblattbögen und stilisierte Kreuzblumen mit einigen Abwandlungen in den Einzelheiten, so vor allem in der Füllung der Kleeblattbögen mit Rosetten oder Engelsköpfen im rhythmischen Wechsel zwischen zwei gefüllten und einem leeren Bogen. Gelegentlich verwendet er auch mit Rankenwerk besetzte Dreiecke, bisweilen mit einem Hahn als Zentrum.

Viel Platz boten daneben die Glocken für die Selbstdarstellung der Auftraggeber oder des Glockengießers selbst. Das mag aus der Inschrift auf der für Oberkessach geschaffenen Glocke her vor gehen. Es heißt dort „Auf Kosten der Gemeinde ist diese Glocke von dem kunstreichen Meister J. G. Lösch von Morsbach nach Oberkessach gegossen worden. 1792“.

1743 wurde auf der Glocke in Gaisbach vermerkt:

„I. G. Birckert * L. Steinbrener * B. B. M. M. Dvmlert * C. Salm / I. I. Balthasar Rvdolph. D. G. vnd Schulmeister Da / Avs dem Fevr flos ich. I. L. Lösch. V. Morspach. gos mich / 1743 / Zvr Ehre des dreieinigen Gottes dvrch Ermvntervng zvm Gebeth bei inen vnd den Nachbarn hat die Gemeinde zv Geisbach [...]. I. E. M. angeschafet“. Die evangelische Pfarrkirche (St. Katharina) in Amlishagen erhielt 1761 eine Glocke mit 83 cm Höhe und 93 cm Durchmesser. An der Schulter ist ein Kleeblattbogenfries mit stilisierten Kreuzblumen auf Dreiecksgrundlage.

Inschrift:

BAUDIRECTOR UND AMTMANN I. A. BAUMANN • IOHANN NICOLAUS SCHMIDT PFARRER • GOS MICH • I. E. LÖSCH VON CREILSHEIM NACH AMLISHAGEN.

Ein Fries aus ornamentgefüllten Dreiecken wird unten durch einen Steg begrenzt. An der Flanke in einem ovalen Lorbeerrahmen das Wappen des Freiherrn von Holtz. Umschrift:

EBERHARD • MAXIMILIAN • BARON • VON • HOLZ • CANTON • KOCHERISCHER • RITTER • HAUPTMANN / ZU ALFDORF / 1761.

Die zweite Inschrift:

GOTT WOLL ZU SEINER EHR DIESE DREYEN • GLOCKEN BEWAHREN VOR BLITZ UND DONNER STREICH UND ALLEN KRIEGS GE • / • FAHREN UND GLEICH WIE SIE UNS RUFEN • / • ZUR BUS DURCH IHREN SCHALL SO WECK • / • UNS AUF DURCH SEIN POSAUNEN HALL • / • AM FROHEN IUNGSTEN TAG WANN ALLES WIRD • / • VERGEHEN AUCH DER HIMMEL UND DIE • / • ERD IM FLAMMEN STEHEN DANN WOLL UNS • / • IESUS SELBST ZU RUFEN DIESE WORD KOMM HER • / • DU FROMME SCHAAR GEH EIN ZUR HIMMELS PORT.

Darunter befindet sich eine Kreuzigungsgruppe im Rechtecksrahmen, flankiert von • 1761 •, über Engelsköpfchen und Gießermarke IHONN. (E)RNST (LÖSCH).

Im Jahr 1780 erhielt die evangelische Pfarrkirche (St. Maria) in Westgartshausen von Johann Ernst Lösch eine Glocke, Durchmesser 85 cm, Höhe 68 cm. An der Schulter: Zwischen Kleeblattbogenfriesen mit stilisierten Kreuzblumen auf Dreiecksgrundlage (die oberen Kleeblattbögen gefüllt mit Rosetten, die unteren größeren mit Engelsköpfen in je zwei von dreien) zweizeilige Inschrift:

ICH FIEL, DA MAN MICH ZOG SCHON SCHADHAFT SCHNELL HERAB, DOCH WANDE GOTT GEFAHR, UND UNGLÜCK GNÄDIG AB. / BALD WURD ICH NEU GEMACHT, LÖSCH WARD DES KÜNSTLERS NAME, NUN KOMET: HIER EHRE GOTT STETS DER GERECHTEN SAME.

An der Flanke: Im ovalen Lorbeerrahmen drei Wappen:

  1. Wappen Cranz, Umschrift SIGILLUM • LUDOV • IOHAN • HENR • CRANZ [Kastner in Crailsheim], unter dem Wappen: 1780.
  2. In Kartusche Spiegelmonogramm, darüber Nest mit Pelikan.
  3. Wappen Schäffer, Umschrift: G. F. W. Schaeffer [Amtsschreiber].
  4. Rechteckiges Relief mit Kreuzigungsgruppe über Engelskopf, darunter Glocke mit Umschrift IOHAN ERNST LÖSCH.

1785 erhielt die evangelische Pfarrkirche (St. Vitus) in Wallhausen von J. E. Lösch in Crailsheim eine Glocke, Durchmesser 106 cm, Höhe 81 cm. Die dreizeilige Inschrift:

ZU GOTTES LOB, UND EHRE STIFTETE DIESE NEUE GLOCKE • WEYL • IOHAN LEONHARD TRUMPP, GMEINDS-MANN ZU WALHAUSEN, UND HINTER LIES - / DER NACHWELT • WACH AUF! O MENSCH, VOM SUNDEN-SCHLAF! ERMUNTERE DICH VERLORENES SCHAF, UND BESERE BALD DEIN LEBEN; WACH AUF ES IST / DOCH HOHE ZEIT! ES KOMT HERAN DIE EWIGKEIT DIR DEINEN LOHN ZU GEBEN • VIEELLEICHT IST HEUT DER LETZT TAG • WER WEIS NOCH, WIE MAN STERBEN MAG?

An der Flanke:

  1. Kreuzigungsgruppe im ovalen Lorbeerrahmen, darunter Inschrift: DAMALS WAR • S • T • HERR • GEORG - / FRIEDRICH NEUMEYER, AMTSCASTNER / ZU ROTH AM SEE.
  2. Unter dem Engelskopf die Inschrift: ZU DER ZEIT WAR S • T • HERR IOHANN LEONHARD LÖSCH, PFARRER.

Darunter Gießermarke: Im ovalen Lorbeerkranz Glocke, Umschrift:

IOHAN • ERNST LÖSCH. Unterschrift: GOS MICH IOHANN ERNST LÖSCH • ZU CREILSHEIM • Dn 1. SEPT • A • 178525.

Dies sind nur Beispiele für chronikalische, aber auch propagandistische Botschaften, die bewusst an die Nachwelt gerichtet waren und nur in Ausnahmefällen gelesen werden konnten – hingen sie doch hoch in den Türmen!

Die Lösch-Glocken in Westgartshausen- Ein Beispiel für das wechselvolle Schicksal von Glocken

Wir besitzen einen mit sauberen und gut leserlichen Buchstaben geschriebenen Brief von dem Amtsschreiber Horn in Crailsheim an den damaligen hiesigen Pfarrer Hornung vom 1. November 1749, aus dem die Aufforderung hervorgeht, eine hier stehende alte, unbrauchbare Glocke bereitzustellen, damit sie zu einem Neuguß für das Kirchlein in Weipertshofen in die Glockengießerei Lösch nach Morsbach bei Künzelsau abgeholt werden könne.

Wohl kaum hätten die Westgartshäuser diese Glocke hergegeben, wenn sie gewußt hätten, daß schon 2 Jahre später, am 28. August 1751 in der Nacht, durch den furchtbaren infolge Blitzschlages hervorgerufenen Kirchenturmbrand alle 3 Glocken in die Tiefe stürzen sollten, wo dann die großen und die kleinen Trümmer, in die sie zerschellten, liegenblieben. 1752 kam es jedoch schon zu dem Guß von 3 neuen Glocken. Zwei davon wurden aus den aus der Asche und dem Schutt herausgelesenen Trümmerstücken gegossen (die mittlere und kleine), während die 3., große Glocke von ganz neuem Metall hergestellt wurde.

Die kleine Glocke hing jedoch nur knapp 30 Jahre im Turm. 1780 mußte sie erneuert werden. Wir besitzen ein ganzes Aktenbündel über den Guß dieser Glocke. Der Inhalt desselben ist äußerst interessant und besagt in kurzen Worten folgendes: Bei dem Herrn Rat und Castner Cranz, wie dem Amtsschreiber Schäffer in Crailsheim meldete Schultheiß Rotenberger, daß am 23. Juli 1779 in der Frühe, als der Schulmeister (der damals Mesner war) kaum angefangen hatte, in die Betstunde zusammenzuläuten, die kleinste der drei Glocken plötzlich herabgefallen und zersprungen sei. Bei dem Sturz habe sie jedoch keinen weiteren Schaden angerichtet, als die beiden obersten Turmböden [zu] durchschlagen und die Treppe [zu] zertrümmer[n]. An der unterhalb des Glockenstuhls befindlichen Schlaguhr sei kein Schaden entstanden, auch nicht an dem Chorgewölbe. Beim Nachschauen auf dem Glockenstuhl wurde bemerkt, daß Kranz und Klöppel der Glocke noch am Joch hingen, der untere Teil der Glocke jedoch in die Tiefe gestürzt sei. Zuerst wurde Schulmeister Wuzer als Mesner verhört. Er sagte aus, diese Glocke habe schon seit mehr als 20 Jahren keinen hellen Ton von sich gegeben. Auch könnten verschiedene Gemeindeglieder bezeugen, daß schon bald, nachdem die Glocke geliefert und aufgehängt war, diese öfters geschettert und nicht laut geklungen habe. Äußerlich habe man nichts Besonders wahrnehmen können. Allerdings habe er vor kurzem beim Schmieren der Glocke bemerkt, daß diese oberhalb der Krone einen ganz kleinen Riß habe. Nun sei aber an der Bruchstelle deutlich zu sehen, daß beim Gießen das Erz nicht ganz ausgeflossen sei, ferner sei es schlackig verbrannt gewesen. Er habe weder beim Läuten noch beim Schmieren der Glocke einen Fehler begangen, und er sei bei sich überzeugt, daß diese Fatalität sich nicht durch sein Verschulden ereignet habe. Danach wurde Glockengießer Ernst Lösch von Crailsheim als Sachverständiger um sein Urteil befragt. Zur Rede gestellt, wie es möglich sei, daß eine Glocke schon nach 28 Jahren einen solchen Konstruktionsfehler aufweise, antwortete dieser, ihn treffe keine Schuld, denn nicht er, sondern sein inzwischen verstorbener Vater habe die Glocke in Morsbach gegossen. Sodann berichtete er, bei dem Bau des Kirchturms sei damals aus Ungeschicklichkeit der Zimmerleute ein schwerer Balken auf diese Glocke herabgeschossen, und bald darauf habe sie zu schettern begonnen. Zudem sei zu dem Guß lauter altes Erz, von den Trümmern der 1751 abgestürzten Glocken, verwendet worden. Dieses angeschmolzene Erz sei spröde und glasig gewesen. Wenn er die Glocke neu gieße, wolle er das Erz mit Kupfer wohl durchsetzen. So würde die Materie zäher und von größerer Dauer. Darauf wurden die Details der Westgartshausener Lösch-Glocke von 1780 (von links): Wappen des Crailsheimer Kastners Ludwig Johann Heinrich Cranz mit Jahreszahl des Glockengusses, Spiegelmonogramm „FCH“ des Westgartshausener Pfarrers Friedrich Christian Heberer, Wappen des Amtsschreibers Samuel Albrecht Schäffer, Kreuzigungs gruppe, Engelskopf und Gießermarke des Johann Ernst Lösch (Fotos: Gernot Stepper).Bruchstücke gesammelt und Pfarrer Heberer zur Aufbewahrung übergeben, damit nichts von dem edlen Metall verloren gehen oder gar abhanden kommen könne. Kurz danach wurde Ernst Lösch der Auftrag zum Gießen einer neuen Glocke erteilt. Diese wurde 41 Pfund schwerer als die seitherige, wog 701 Pfund und kostete 497 Gulden 2 Kreuzer. Die zersprungene Glocke wurde in Zahlung gegeben und mit 330 Gulden angerechnet. Laut quittierter Rechnung zahlte die Gemeinde den Rest in Höhe von 167 Gulden und 2 Kreuzern bar am 30. Juli 1780.

Alle 3 Glocken wurden mit kunstreichen Verzierungen und sehr wortreichen Aufschriften versehen. Auf der großen Glocke stand:

Unter glorreicher Regierung des Hochfürstl. Durchlaucht. Herrn Karl Wilhelm Friedrich, Marggraf zu Brandenburg und Ansbach unter Besorgung des Herrn Geheimen Rats und Oberamtmanns von Pöllnitz Herrn Kastners Andr. Wolfgang Kranzens und Herrn Amtsschreiber Samuel Albrecht Schäffers während des Pfarramts Herrn Benedikt Martin Hornungs bin ich aus der Asche, in die ich vom Blitz den 28. August 1751 zerfloß wieder gesammelt und als die größte unter meinen Schwestern in diese Form gegossen worden von Joh. Leonh. Löschen aus Morsbach.

Mein Laut schall nie zum Sturm, bei Aufruhr, Krieg und Schaden, mein Schall sei vielmehr stark, die Christen einzuladen, in heißer Andachtsglut zu loben Gott den Herrn, denn Er nur schenkt das Heil, treibt Blitz und Unglück fern.

Auf der Vorderseite war das große Wappen des Markgrafen Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Ansbach, auf der Rückseite das Wappen des Freiherrn von Ehrenfried. Zwischen diesen Wappen war das der Familie Lösch und die Kreuzigungsgruppe Christi mit der Unterschrift: Joh. Leonh. Lösch goß mich. Auf der mittleren Glocke stand:

Uns drei hat des Höchsten starke Hand durch einen Wetterstrahl den 28. August 1751 zerschmolzen und uns wieder in diese neue Form gebracht unter der Regierung Karl Wilhelm Friedrichs M. Z. B. O. und unter Besorgung H. v. Pöll nitz Oberamtmanns, Herrn Westernachers und Herrn Pfarrer Hornungs und A. S. V. Horns, W. C. A. B. Hofmanns.

Aus Hitz und Feuer bin ich geflossen, Johann Leonhard Lösch hat mich gegossen. Ist Gott für uns, wer mag wieder uns sein?

Dazu kamen die gleichen Wappen wie bei der großen Glocke. Auf der kleinen Glocke, die heute noch auf dem Turm hängt, steht:

Ich fiel, da man mich zog, schon schadhaft schnell herab. Doch wandte Gott Gefahr und Unglück gnädig ab. Bald wurd ich neu gemacht, Lösch war des Künstlers Name, nun kommt, hier ehre Gott stets der Gerechten Same!

Außerdem ziert die Glocke das Wappen des F. W. Schäffer (Jäger mit Hund), die Kreuzigungsgruppe, das Wappen des Ludov. Henr. Cranz, das Wappen des Joh. Ernst Lösch und die Jahreszahl 1780. Besonders die große und mittlere Glocke mit 28 und 14 Zentnern Gewicht waren herrliche Werke, die leider dem letzten Krieg noch kurz vor dessen Ausgang, am 20. April 1945, zum Opfer fielen.