Crailsheimer
Historischer Verein e. V.

von

Alois Paradeis kam am 11. Nov. 1837 als drittes Kind des Gräflich Königsegg’schen Revierförsters Franz Anton Paradeis und seiner Ehefrau Franziska geb. Rösch in Hertle, Gemeinde Tannhausen im damaligen Oberamt Waldsee zur Welt. Nach der Volksschule in Aulendorf, besuchte er von 1850 bis 1853 die Realschule in Biberach. Vom Vater wurde ihm die Liebe zum Wald in die Wiege gelegt, so dass es fast logisch klingt, dass der junge Alois von 1853 bis 1855 beim Vater ein Praktikum der Försterei absolvierte. Anschließend studierte er 1855 bis 1857 an der „Land- und Forstwirtschaftlichen Akademie in Hohenheim“ Forstwirtschaft. Im Jahr 1859 legte er seine erste und 1860 seine zweite Dienstprüfung ab. Er war somit promovierter Förster. In einem Fortbildungskurs in Stuttgart 1864 erweiterte er seine Kenntnisse und schloss als Forstgeometer ab.

Die erste Anstellung erhielt er sogleich als Forstgeometer in Adelmannsfelden. Hier musste er in erster Linie den Wegebau forcieren und aldflächen vermessen. Es folgten 30 Stellvertretungen in verschiedenen Forstrevieren, dann Aufgaben als „Forsteinrichter“ in den Revieren Ochsenhausen, Mönchsrot, Ellwangen, Heidenheim und Kapfenburg. In dieser Zeit befasste sich Paradeis mit Wirtschaftsplänen in verschiedenen Forstbezirken, auch war er Revieramtsverweser in Lorch. Hier hatte er Daten über den Baumbestand und den Einschlag zu ermitteln, damit die alle 10 Jahre stattfindende Inventur fundiert durchgeführt werden konnte. Auch mit der Kultivierung von Waldflächen hatte er zutun.

Am 9. Mai 1868 wurde er zum Revierförster in „Mariä Kappel“, wie es damals noch geschrieben wurde, berufen. Bis 1907 verwaltete er im Nebenamt auch die Waldungen des Rentamts Hengstfeld. Das Revieramt Mariäkap pel gehörte seinerzeit zum Forstamt Ellwangen. Hier hatte er sicherlich öfters dienstlich zu tun. Vielleicht trugen diese Besuche dazu bei, dass Alois Paradeis die Bekanntschaft von Fräulein Franziska Millauer machte, der Tochter eines angesehenen Ellwanger Kaufmanns. Jetzt in gesicherten beruflichen Verhältnissen, hielt er um ihre Hand an und heiratete sie schließlich im Jahr 1870. Dem Ehepaar wurden zwei Söhne und eine Tochter geboren: 1. Sohn Franz Anton, *8. Nov. 1871 in Mariäkappel. Nach dem Jurastudium in Tübingen und Berlin begann er eine Verwaltungslaufbahn und wurde Amtmann im Kgl. Oberamt Göppingen, von 1909 bis 1910 Stadtschultheißenamtsverweser in Schramberg, dann nach einer ordentlichen Wahl 1910 bis 1919 Stadtschultheiß ebenda. In diesem Amt folgte er den Ideen seines Vaters und sorgte durch Bepflanzungen des Stadtgebiets mit Büschen und Bäumen, für „Ortsverschönerung“, wie es sein Vater in Crailsheim nannte. Im August 1919 wurde er durch „Entschließung des Staatspräsidenten“, zum Oberamtsvorstand in Münsingen ernannt. 2. Sohn Georg Alois, *23. Okt. 1872 in Crailsheim. Seine Laufbahn als Apotheker führte ihn quer durch Deutschland (Karlsruhe, Ellwangen, Tettnang, Lichterfelde, Hannover). Von 1914 bis 1918 war er beim Militär und als „Korpsstabs-Apotheker“, dann „Oberstabsapotheker“ in Stuttgart und Ludwigsburg tätig, ehe er wieder nach Hannover zurückkehrte. 3. Tochter Emma, *14. Juli 1875 ebenfalls in Crailsheim. Sie wurde die Ehefrau des Finanzrats Sorger in Ehingen.

Mit Recht durften Alois Paradeis und Ehefrau Franziska stolz auf ihre drei Kinder sein, die im gehobenen Bürgertum lebten.

In seiner Zeit als Revierförster in Mariäkappel wurde auf der „Schönebürg“ (Bergkegel 530 m hoch), etwa fünf Kilometer östlich von Crailsheim und nur wenige hundert Meter nordwestlich von Goldbach gelegen, eine Wanderhütte mit einem kleinen Aussichtstürmchen gebaut. Der Grundriss der Hütte war in TForm angelegt. Sie war 8,50 m lang und 3,24 m breit, oben am „T“, etwa 5,50 m breit.

Am Freitag, 14. Juni 1872 wurde ein Weg von der „Feuchtwanger Allee“ bis hinauf zur „Schönebürg“ eingeweiht: „Festlich geschmückt, mit Blumen und Kränzen aus Eichenlaub, umgeben mit flatternden Fahnen, geziert mit Hirsch- und Rehgeweihen stand das Häuschen und harrte seiner Gäste“, berichtete der Fränkische Grenzbote. Musik und Tanz beendeten die Feier. Besonderes Lob erhielt dabei Revierförster Alois Paradeis aus Mariäkappel für sein Engagement in dieser Sache. Jetzt konnten die Crailsheimer auf einem angelegten Pfad zur „Schönebürg“ gelangen. Viele Jahre erfreuten sich die Menschen aus der Gegend an der von Paradeis hergerichteten Schutzhütte und den Anlagen auf der Schönebürg. Was aber leider auch noch heute passiert, geschah 1923. Der Fränkische Grenzbote berichtete: „Die Hütte auf der Schönebürg wurde von Bubenhänden aufgebrochen, das Schloss abgerissen und die Treppe zum Türmchen zerstört. Die Forstverwaltung will von weiterer Unterhaltung der Hütte Abstand nehmen“.

Der Sitz des Forstrevieramts „Mariä Kappel“ wurde im Zuge einer Reform 1872 nach Crailsheim verlegt. Alois Paradeis war 35 Jahre alt, als er in Folge dieser Veränderung nach Crailsheim kam und der erste Revieramts-, später Forstamtsleiter beim Forstamt Crailsheim wurde. Das Forstamt war im ehemals markgräflichen Schloss in Crailsheim untergebracht. Auch war er nun Mitglied im „Forstverband Hall“ geworden.

Nach dem Zuzug dieses Forstmannes, von dem er wusste, dass er schon in Mariäkappel aktiv für Verschönerung der Landschaft gearbeitet hatte, entwickelte der Crailsheimer Stadtschultheiß Leonhard Sachs Aktivitäten. Der 1868 von Sachs gegründete „Verschönerungsverein“, dessen Vorstandschaft der Schultes selbst für die „Zeit des Aufbaus“ übernommen hatte, dümpelte nämlich nach 1870 nur noch vor sich hin.

Selbstverständlich wurde ehrenamtlich für diesen Verein gearbeitet. Sachs gewann Alois Paradeis als aktives Mitglied für den Verein. In der Hauptversammlung am 12. Juli 1873 gab Schultheiß Sachs das Amt des Vorsitzenden des Verschönerungsvereins an den Oberamtsbaumeister Häffner ab. Gleichzeitig wurde Alois Paradeis zum „Techniker für die Herstellung neuer Anlagen“ gewählt. Zum Ziel setzte sich Paradeis: „Verschönerung der Stadt Crailsheim und des Landschaftsbildes rundum“, wie er es selbst formulierte. „Am besten wäre es, wenn man einen „Stadtgarten“ anlegen könnte“.

Sicherlich war es damals genauso schwierig, ehrenamtlich tätige Leute für Forst-, Wege- und Grabarbeiten zu finden, wie in unserer heutigen Zeit. Dem Forstmann Paradeis ist dies aber offensichtlich gelungen. Stadtschultheiß Sachs leistete ihm bei der Werbung um Arbeitskräfte seinen Möglichkeiten entsprechende Hilfe. Der „Verschönerungsverein“ Crailsheim kam 1873 durch Paradeis in Schwung.

Nicht nur den weltlichen Dingen fühlte sich Paradeis zugetan. Als gläubiger katholischer Christ widmete er sich der „kleinen katholischen Diaspora“ in Crailsheim, wie es der damalige katholische Pfarrkurator Vogt nannte. Paradeis war Mitglied des katholischen Stiftungs- und Schulgemeinderats. Nach der offiziellen Zählung am 31. Dez. 1871 hatte Crailsheim 3 688 Einwohner, davon 3 215 Protestanten, 245 Juden, 223 Katholiken (das waren gerade mal 6%) und 5 „Dissidenten“ (Andersdenkende). Die Einweihung der neuen katholischen Kirche St. Bonifatius an der Beuerlbacher Straße am 27. Mai 1888 empfand Alois Paradeis mit seiner kleinen katholischen Gemeinde sicher als Höhepunkt des Jahres.

Die freiherrlich Seckendorff ’schen Wälder um Erkenbrechtshausen, damals etwa 60 Hektar, betreute Alois Paradeis von 1874 bis 1907 im Nebenamt. Dabei war sein erster Auftraggeber der „Seniorratsherr“ Franz Paul Carl Wilhelm Freiherr von Seckendorff-Aberdar, ein „Königlich Bayrischer Leutnant und Schriftleiter“, mit dem Paradeis arbeitete. Allerdings war in Erkenbrechtshausen ein Gutsverwalter eingesetzt. Als der Seniorratsherr 1901 verstarb, war Paradeis bis 1907 für den neuen „Seniorratsherrn“ Adolf Georg Alexander Carl Freiherr von Seckendorff-Aberdar, einen Königlich Preußischen Leutnant a.D., Besitzer von Rittergut Brook in Pommern, in Diensten. Dieser lebte aber auf seinem Rittergut und hatte wie sein Vorgänger einen Verwalter für Erkenbrechtshausen eingesetzt. Eine Abrechnung der Seckendorff-Aberdar sagt aus, dass Paradeis für seine Arbeit jährlich 75 Mark vergütet bekam.

Immer wieder wurde in Leserbriefen im „Fränkischen Grenzboten“ im Frühjahr 1874 ein besserer Zustand des Weges von der Stadt zu den von 1866 bis 1875 erbauten Bahnanlagen gefordert. Paradeis erlebte die Eröffnung der Gasfabrik, den Neubau der Jagstbrücke 1874, das Herrichten der nun so benannten „Bahnhofstraße“ und die Eröffnung der Bahnlinie nach Nürnberg am 1. Juni 1875. In diesem Zusammenhang ließ er in der Friedrichstraße und auf der linken Seite der Bahnhofstraße vom Gasthaus „Bayrischer Hof“ an bis zu den Bahnunterführungen Ulmen anpflanzen. Auch rechts und links der Bahnhofsauffahrt ließ er Ulmen setzen. Hier arbeitete er wie schon so oft zuvor eng mit dem Eisenbahn-Bauinspektor Karl Theodor Schuster von der Königlich Württembergischen Staatsbahn und dem jetzt neu dazugekommenen „Bahnhofsinspektor I. Classe“ August Wagner von der Königlich Bayerischen Staatsbahn zusammen. (Anmerkung: Diese Bäume wurden in einer Abholzaktion im November 1985 nach 115 Jahren großteils gefällt.)

Im Jahr 1875 sah „der bewährte Techniker“ Revierförster Paradeis die Möglichkeit, die ungepflegten Anlagen auf dem Karlsberg (Galgenberg) herrichten zu lassen. Der Fränkische Grenzbote schrieb: „In letzter Zeit waren viele Hände unter Alois Paradeis mit ‚Culturarbeit‘ wie Wegeverbesserungen und Herstellung 24 Willi Glasbrenner: Die Eisenbahn in Crailsheim, Freiburg 1994. 25 Jahresringe, damals gezählt von Oberforstrat Christoph Langer und Willi Glasbrenner, ergaben diese 115 Jahre. Abrechnung für fünf Jahre „Waldbesorgung“ Paradeis/Seckendorff-Aberdar aus dem Jahr 1893 (Haide Honnens, Beuerlbach).von Ruheplätzen auf dem Karlsberg beschäftigt“. Auch eine imposante Flaggenstange, von der bei Eröffnung der „Nürnberger Eisenbahn“ am 1. Juni 1875 erstmals die deutschen Farben wehen sollten, wurde auf dem Karlsberg aufgestellt.

Eine andere Meldung in Bezug auf den heutigen Stadtpark (auch als „Bürgerpark“ oder einfach als „Park“ bezeichnet) lautet: „Der Besitzer des ‚Park am Truidenbach‘, Johann Feldner, gibt sein Gelände nach Absprache mit Alois Paradeis zur allgemeinen Nutzung frei“. Stadtmusikus Müller spielte jeden Sonntag von 10 bis 11 Uhr zur Unterhaltung auf .

Ein weiteres großes Engagement fand Paradeis 1876, als er für den Freiherrn Hofer von Lobenstein, ebenfalls im Nebenamt, die Forstverwaltung von dessen Waldungen in Wildenstein übernahm. Dieses Nebenamt hatte er bis 1918 inne. Wie der heutige Freiherr Hermann Hofer von Lobenstein berichtete, ist in seinem Wald „Kappelbusch“ die Abteilung 14 als „Paradeiswald“ benannt, ein heute noch sichtbarer Beweis der Tätigkeit von Alois Paradeis.

In der Sitzung am 16. Dez. 1877 gab Stadtbaumeister Häffner auf der Jahreshauptversammlung das Ehrenamt des Vorstandes des Verschönerungsvereins ab. Man kann sich leicht vorstel len, dass der umtriebige Fachmann Alois Paradeis unverzüglich von der Versammlung einstimmig zum Vorsitzenden gewählt wurde. Wie Kassier Ernst Stock vortrug, waren in der Kasse des Vereins nur 35.– Mark an Bargeld. Die Jahresbeiträge von jeweils 2.– Mark standen aber noch komplett aus. Es musste jedes Jahr mehrmals der Mitgliedsbeitrag angemahnt werden, weil er nur sehr zögerlich einging. Im Mai/Juni 1878 veröffentlichte Paradeis im „Fränkischen Grenzboten“ eine Namensliste der nun 156 Mitglieder des Verschönerungsvereins. Weil vom Mitgliedsbeitrag allein die Aktivitäten nicht zu finanzieren waren, wurde immer wieder zu Spenden aufgerufen, denn Paradeis hatte noch viel vor. Auf den letzten Aufruf hin erhielt der Verein 39 Geldspenden.

Vom Herrensteg zum Gaswerk und weiter zum Bahnhof gab es aber immer noch keinen vernünftigen Weg. Das Gelände war in privatem Besitz. Alois Paradeis, Stadtschultheiß Leonhard Sachs und der Eisenbahn-Betriebsbau-Inspektor Karl Theodor Schuster redeten im Frühjahr 1878 mit dem Herrenmüller Johann Georg Feldner, dem Besitzer der Grundstücke. Sie fanden eine sehr freundliche Aufnahme. Alois Paradeis plante auf diesem Gewann „Veitswiesen“ einen in parallelem Bogen zur Jagst verlaufenden Fußweg vom Herrensteg zur Gasfabrik mit der Option einer Weiterführung bis zur Jagstbrücke. Sie trugen dem Herrenmüller ihren Plan vor und konnten von ihm die Zustimmung erhalten. Er stellte 1878 das Gelände kostenlos zur Verfügung. Die Gemeinde musste nur gewährleisten, dass das Abwasser des „Rinnenbrünneles“ in einer Leitung zur Herrenmühle fließen würde. Der Herrenmüller bezahlte die Kosten dafür fast gänzlich selbst.

Paradeis hatte in dem württembergischen Eisenbahn-Bauinspektor Karl Theodor Schuster und dem seit kurzer Zeit amtierenden bayrischen BahnhofsInspektor Louis, welche auch Mitglieder im Verschönerungsverein waren, zwei wertvolle Mitstreiter. Sie organisierten mit ihren Eisenbahnern einen „Bautrupp“, der unter Mithilfe anderer Vereinsmitglieder in der Freizeit den Weg vom Herrensteg in Richtung Bahnhof herstellte. Dieser wurde 1917 „Paradeisallee“ genannt. Auch 14 Crailsheimer „Anspann-Besitzer“ leisteten für Steinfuhren freiwilligen Dienst. Paradeis ließ entlang dieses Weges auf beiden Seiten kanadische Pappeln pflanzen. Generationen von Crailsheimer Schülern, die täglich von „Crailsheim-West“ in die Kleinkinderschule, die Oberschule für Jungen, die Grabenschule oder die Realschule bei St. Johannes über den Herrensteg laufen mussten, erinnern sich an diese mächtigen Pappeln.

Bald folgte der Ausbau des allen Crailsheimern bekannten „Schlangenwegles“ vom Judenfriedhof hinauf zur Villa (jetzt Blezingerweg) und weiter des Höhenweges über den Kreckelberg bis in den Eichwald, was ebenfalls auf eine groß angelegte Initiative des Alois Paradeis zurückzuführen ist. Auch auf der Schönebürg ließ er weitere Anlagen herrichten und auf die bestehende Hütte eine kleinen Aussichtsplattform bauen. Leider ist von dieser Anlage nichts mehr zu sehen. Weitere kleinere öffentliche Anlagen in der Stadt wurden hergerichtet. Auch im Sommer 1880 rief Vorstand Paradeis die Mitglieder auf, ihren Jahresbeitrag zu entrichten, da für den Wegebau vom Herrensteg zum Gaswerk noch „bedeutende Schuldverbindlichkeiten zu erfüllen sind“.

Einen beruflichen Aufstieg erfuhr Alois Paradeis im Jahr 1884. Ihm wurde unter gleichzeitiger Beförderung zum Oberförster das Forstrevieramt Roßfeld/Gründelhardt mit Sitz in Crailsheim übertragen. Jetzt hatte er ein flächenmäßig sehr großes Revier zu betreuen. Dazu gehörte der Burgbergwald, der Reußenberg, das Hörrle, der Hahnenberg, der Schäfer und der Altdorfer Wald sowie noch ein paar kleinere Gewanne. Diese Waldstücke liegen alle um den zentralen Burgberg mit seinen 534 Metern Höhe oder nur wenig entfernt. Man darf sich vorstellen, dass hiermit ein Traum für den frischgebackenen, nun im 46. Lebensjahr stehenden „Oberförster“ in Erfüllung gegangen ist. Hunderte von Waldarbeitern, Holzfällern und Kulturarbeiterinnen als Pflanzerinnen in Saisonarbeit galt es zu betreuen. Trotz der erweiterten Aufgaben in seinem größeren Revieramt nahm er sich weiterhin Zeit für den Crailsheimer Verschönerungsverein.

Die größte Anerkennung, welche eine Stadt zu vergeben hat, erhielt Alois Paradeis in seinem 47. Lebensjahr: Nach Beschluss der Gemeindekollegien wurde er am 6. März 1884 – am Geburtstag des württembergischen Königs – von Stadtschultheiß Leonhard Sachs zum ersten „Ehrenbürger der Stadt Crailsheim“ ernannt. Er erhielt damit den Dank für seine außerordentlichen Verdienste in Sachen Verschönerung der Stadt Crailsheim und der Umgebung, wie es Stadtschultheiß Leonhard Sachs bei der Verleihung nannte.

Es war nötig, dass sich Paradeis nun als Oberförster des Burgberges besonders um dieses Revier kümmerte, zumal sich der Wald in keinem besonders guten Zustand präsentierte. Ein Orkan hatte am 26. Okt. 1870 dramatische Sturmschäden gerissen, die bisher noch nicht wieder aufgeforstet waren. Es galt, diese Kahlflächen, nicht nur im Burgbergwald selbst, jetzt wieder zu bepflanzen. Der Sturm hatte damals auf 1200 Hektar Wald 100 000 Festmeter an Baumbestand niedergemacht. Besonders Douglasien, Roteichen, Lärchen und Thuya ließ Paradeis nun anpflanzen. Auch Wege auf den Berggipfel und Anlagen dort oben wurden hergerichtet. Die unter König Wilhelm in der Wilhelma gesäten und unter König Karl von Württemberg um 1865 gepflanzten auch „Bergmammut“ genannten Wellingtonien standen nun schon 20 Jahre und hatten als damals noch kleine Bäume den Sturm von 1870 gut überstanden. Anpflanzungen dieser Art wurden aber später nicht mehr vorgenommen.

Eine besondere Idee hatte Paradeis, als er unter Mithilfe des Schwäbischen Albvereins auf das Dach des Forst- und Wirtshauses auf dem Burgberg eine kleine Aussichtsplattform, eine „Warthe“, wie im Fränkischen Grenzboten geschrieben wurde, errichten ließ. Die Kosten beliefen sich auf 1000.– Mark. Von hier war nun bei gutem Wetter die Aussicht bis zum Hesselberg, der Schwäbischen Alb und in den Odenwald möglich. Forstwächter Melbert, der auch Gastwirt auf dem Burgberg war und dort wohnte, musste für den Besuch des Aussichtsturms eine kleine Gebühr erheben, die der „Verschönerung“ des Burgbergs zugute kam. Zu der feierlichen Einweihung dieser Aussichtsplattform am 28. Sept. 1885 verkehrte vormittags 10.00 Uhr ein Sonderzug von Crailsheim nach Maulach. Weil aber buchstäblich ein „Sauwetter“ herrschte, fanden sich nur etwa 25 Leute zur Weihe auf dem Burgberg ein, die aber trotzdem mit Böllerschüssen vom Gemeinderat von Oberspeltach empfangen wurden. Auch bei kargem Besuch wurde das Programm durchgezogen. Die Besucher hatten sich anschließend im Wirtshaus bei erstklassiger Küche und Keller der Frau Melber dermaßen „festgesetzt“, dass sie die Rückfahrt des Sonderzugs um 3.00 Uhr nachmittags einfach ignorierten und den letzten Abendzug nach Crailsheim nahmen, der aber erst um 7.40 Uhr abends in Maulach abfuhr und 10 Minuten später dann in Crailsheim war.

Jetzt hatte sich die Bezeichnung „Fränkischer Rigi“ für den Burgberg etabliert. Die Namensgebung wird Oberförster Paradeis zugeschrieben. Der Fränkische Grenzbote bezeichnete den Burgberg als „Perle unter den Aussichtspunkten des Frankenlandes“. Im April 1887 ließ Paradeis auf der „Warthe“ ein Fernrohr, geliefert von der Firma Lufft aus Stuttgart, installieren, dazu eine Orientierungstafel, auf der die Berge abzulesen waren, die man bei gutem Wetter erspähen konnte. Es waren auf dieser Tafel mehr als 200 Punkte benannt. (Auf dem heutigen Aussichtsturm sind auf den Fenstersimsen in allen vier Himmelsrichtungen Tafeln mit Orientierungspunkten wie Hesselberg, Baldern, Kapfenburg, Ipf, Schurwald, Rechberg usw. angebracht.)

Forst- und Wirtshaus auf dem Burgberg 1885 nach der Einweihung der Aussichtsplattform (Sammlung Glasbrenner).Um das „Schicksal“ dieser „Warthe auf dem Burgberg“ kurz weiter zu beschreiben, muss ein Zeitsprung gemacht werden. In den Jahren 1935/36 wurde der Crailsheimer Fliegerhorst gebaut. Er war in erster Linie als Flugzeugführerschule eingerichtet. Schon bald erkannte man, dass ein Beobachter auf der Aussichtsplattform des Burgberggasthauses einen Überblick weit über Hohenlohe hinaus haben würde. Man stellte über Telefonleitungen eine Verbindung mit der Flugleitung des Horstes her. Die amerikanischen Jagdbomber hatten diese Beobachtungsstelle auskundschaftet und bombardierten sie 1945, wobei das gesamte Anwesen auf dem Burgberg ausgelöscht wurde. Ein „Paradeis’sches“ Werk war zerstört, die Idee aber, von dort oben in die Ferne zu „schweifen“, blieb erhalten. Weiter mit der Zeit um 1890: Auch um die Buchklingen-Seen herum ließ Paradeis Wege anlegen und die Baumbestände ergänzen. Mehr als 100 Hektar Wald hatte er für den Staatsforst erworben. Ein Teil von 1½ ha des Waldstücks „Hofstall“ unterhalb des Burbergkegels wurde nun „Paradeisgärtle“ genannt. Hier ließ er zahlreiche fremdländische Bäume anpflanzen. Der Weg, welcher etwa 100 Meter nördlich der Kaiserlinde Richtung Osten am Paradeisgärtle vorbeiführt, heißt Paradeisweg und ist etwas mehr als 623 m lang.

Inzwischen mauserte sich der Burgbergwald unter Oberförster Alois Paradeis zum Musterbetrieb. Weil hier landschaftsgestalterische Akzente gesetzt waren, kamen Studenten der forstwirtschaftlichen Hochschulen zu Studienzwecken in den Burgbergwald und natürlich auf den Burgberggipfel um zu „schauen“. Bei einem Vortrag für den Württembergischen Forstverein in Schwäbisch Hall wurde Alois Paradeis für seine erfolgreiche Tätigkeit im Waldbau besonders auf „seinem Burgberg“ erwähnt und geehrt.

Um für den Erholungspark Burgberg zu werben, wurde eine Postkarte gestaltet und deren Erscheinen am 15. März 1892 im Fränkischen Grenzboten angekündigt. Die Postkarte war für 10 Pfennig in den einschlägigen Geschäften, aber auch im Wirtshaus auf dem Burgberg zu kaufen.

Im Jahr 1896 ließ Paradeis den Weg zum Eichwald mit der dortigen Schutzhütte sowie den Weg zur „Schönebürg“ verbessern.

Im August 1899, im 62. Lebensjahr, erhielt Alois Paradeis für seine Verdienste im Forstamt und für zivile Verdienste um die Allgemeinheit im Auftrag des württembergischen Königs Wilhelm II. einen Orden verliehen. Auszug aus dem Staatsanzeiger: „Seine Königliche Majestät haben vermöge allerhöchster Entschließung vom 5. Aug. 1899 dem Oberförster Paradeis in Crailsheim das Ritterkreuz I. Klasse des Friedrichsordens allergnädigst verliehen“.

Im Juli 1901 wurde in der Crailsheimer Parkstraße gegenüber dem „Kameralamt“ vom Königlichen Bezirksbauamt Ellwangen ein Gebäude für das Forstamt zur „Verdingung“ ausgeschrieben, wie im Fränkischen Grenzboten zu lesen ist. (Die Parkstraße heißt heute Spitalstraße, und im ehemaligen „Kameralamt“ ist die Polizei untergebracht.) Sicherlich zog Oberförster Paradeis samt seiner Forstverwaltung 1902 mit großer Freude in dieses wunderschöne neue Gebäude ein. Heute befindet sich hier die Außenstelle des Vermessungsamts Schwäbisch Hall.

Im Jahre 1904 hat sich unter dem Vorsitz des Alois Paradeis ein „Burgberg-Comite“ aus Mitgliedern des Crailsheimer Verschönerungsvereins und des Albvereins gebildet. Dieses setzte sich zum Ziel, auf dem Burgberg einen separaten „Aussichtsturm von 30 m Höhe und [mit] einem eisernen Gerippe mit Zementausfüllung“, zu erstellen. Es sollten Anteilscheine zu 10.– Mark zur Zeichnung ausgegeben werden. Namhafte Crailsheimer konnte Paradeis rekrutieren: Oberamtsrichter Dr. Bertsch, Oberamtssparkassier Fick, Privatier Feldner, Kaufmann Grünsfelder, Kameralverwalter Henning, Dekan Lic. theol. Hummel, Forstamtmann Lang, Gerbereibesitzer Leiberich, Oberamtmann Reusch, Buchdruckereibesitzer Richter, Bezirksgeometer Rösch, Stadtschultheiß Hugo Sachs, Privatier Scheef, Schullehrer Schnerring, Stadtrat Schulz, Oberamtsstraßenmeister Waldmann und Stadtbaumeister Weick. Eine vorläufige Kostenübersicht lag bei 20 300.– Mark. Die Architekten Mönch & Frank erstellten bereits Pläne. Doch nicht einmal der zwanzigste Teil kam durch einen Spendenaufruf zusammen. Das Vorhaben wurde aufgegeben.

In diesem Jahr 1904 hielt der Württembergische Forstverein am 12. Juli seine Hauptversammlung in Crailsheim ab. Alois Paradeis referierte in einem viel beachteten Vortrag über die Bestandswirtschaft des Waldes und die Folgen der Sturmschäden von 1870. Dabei ging er auch auf Sturmschäden von 1745, 1764 und 1795 ein, aus denen damals keine Lehren gezogen und nach den neuesten Erkenntnissen falsche Anpflanzungen vorgenommen worden waren.

Aber auch schon damals gab es Leute, die auf Zerstörung aus waren. „Um so unverzeihlicher ist die barbarische Rohheit, mit der da und dort Bänke und Pflanzungen demoliert werden!“ Der Schreiber dieses Satzes bittet die Naturfreunde, etwaige Missetäter unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen, wenn sie erkannt werden.

Es kam das Jahr 1907. Alois Paradeis, nun beinahe 70 Jahre alt und bis dato im Amt, ließ sich im Oktober in den Ruhestand versetzen. Anlässlich dieses offiziellen Vorgangs sprachen verschiedene Honoratioren ihre Anerkennung für den vielseitig tätigen Forstmann aus. In den 23 Jahren seiner Tätigkeit im Burgbergwald hatte er viele Waldstücke aufgekauft und das Revier um 100 ha vergrößert. Er hatte bis dahin 35 Jahre lang in Crailsheim gewirkt. Unter den Rednern waren: Stadtschultheiß Hugo Sachs, Oberamtsrichter Dr. Bertsch, Stadtpfleger Stehle, Dekan Lic. Hummel und Forstamtmann Lang.

Ob Alois Paradeis in seinem geliebten Burgbergwald vielleicht in den „Rauhnächten“ (anderer Begriff für die 12 Nächte zwischen Weihnachten und dem Erscheinungsfest) auch ab und zu das „Wilde Heer“ gesehen und gehört hat, welches der Sage nach mit viel Radau in dieser Zeit durch den Burgbergwald fegt, ist nicht überliefert.

Für seinen Ruhestand siedelte Alois Paradeis nach Ellwangen, in die Geburtsstadt seiner Frau, über. Er gedachte, in Ellwangen nicht auf dem „Altenteil“ zu sitzen. Ganz im Gegenteil, er wurde sofort zum Vorsitzenden des „Verschönerungs-Vereins Ellwangen“ gewählt, womit er wieder in seinem ureigensten Metier, der Landschaft und dem Forst, tätig war.

Parteipolitische Aktivitäten sind von Alois Paradeis nicht bekannt.

Was geschah weiter mit dem Crailsheimer Verschönerungsverein? Im Adressbuch der Stadt wird zwar 1914 als Vorstand noch Alois Paradeis genannt. Ein weiterer Hinweis auf den Verschönerungsverein ist der „Hohenloher Zeitung“ im Jahr 1943 zu entnehmen. Dort wird geschrieben, dass die Aktivitäten des Vereins „über den Krieg ruhen und [es] nachher sicherlich viel Arbeit geben wird“. Weiter ist jedoch nichts mehr über diesen Verein bekannt.

Nach nicht einmal vier Jahren in Ellwangen verstarb am 15. August 1911 Paradeis’ Ehefrau Franziska. Beide waren beinahe 41 Jahre miteinander verheiratet gewesen. Dieser Verlust hat ihn schwer getroffen. Seine uneingeschränkten Aktivitäten ließen nach.

Was in dieser Zeit durchaus noch möglich war, geschah im Jahre 1912: Alois Paradeis wurde als Pensionär im 75. Lebensjahr der Titel „Forstmeister“ verliehen. Was nirgendwo in Akten auftaucht, muss trotzdem stattgefunden haben: Er musste irgendwann Militärdienst geleistet haben, denn im Oktober 1915 wurde er zum Oberleutnant i.R. befördert.

Sein umfangreiches Wissen über die Waldwirtschaft hatte sich offensichtlich weit herumgesprochen, denn im Sommer 1916 erhielt er den Auftrag, für das Familiengut Vorra an der Pegnitz, unweit von Hersbruck, einen Plan für dessen Waldwirtschaft zu erstellen. Auch noch mehrere forstliche Gutachten fertigte er.

An seinem 80. Geburtstag, am 11. Nov. 1917, erhielt Paradeis den Besuch einer Ehrendeputation aus Crailsheim, die ihrem Ehrenbürger eine Aufwartung machte. Hiermit enden die bekannten Aktivitäten des Alois Paradeis.

Am Sonntag nach Weihnachten 1918 erlitt Alois Paradeis einen Schlaganfall. Er hatte sich scheinbar wieder erholt, verstarb jedoch am 27. Jan. 1919 im 82. Lebensjahr in Ellwangen, der Stadt seines letzten Lebensabschnitts. Neben den Leidtragenden aus der Familie – am Todestag hatte er sieben Enkelkinder – waren viele Forstbeamte und Freunde am Grabe erschienen. Das schöne Lebensbild, das der Geistliche, Kaplan Reeb, in seiner Trauerrede vom Verstorbenen zeichnete, fand eine harmonische Ergänzung durch weitere Redner am Grab. Der Ellwanger Stadtschultheiß Ettensperger betonte, dass Alois Paradeis bis zuletzt dem Verschönerungsverein ein sach- und fachkundiger Vorstand gewesen war, der mit viel Liebe an „seinen“ Anlagen immerfort Verbesserungen vorzunehmen suchte. Aus Crailsheim war eine Delegation erschienen. Forstmeister Diebold vom Forstamt Roßfeld-Gründelhardt als Nachfolger von Paradeis, der Crailsheimer Stadtschultheiß Fröhlich, der einen Kranz mit den Crailsheimer Stadtfarben niederlegte, und der Baron Hofer von Lobenstein aus Wildenstein als persönlicher Freund des Verstorbenen hielten Nachrufe am offenen Grab.

In Erinnerung an Alois Paradeis gilt es noch nachzutragen: Teils schwer beschädigt überlebten wenige der kanadischen Pappeln zwischen Herrensteg und Gaswerk das Bombeninferno vom 23. Febr. 1945 und standen noch in den Jahren um 1970. Heute stehen noch 3 Pappeln nahe dem Herrensteg und zwei nahe dem Postamt, die kaum mehr einen Hinweis auf die einstige Pracht der Paradeisallee geben. Nach Beseitigung der Kriegsschäden im Paradeisweg wurden dann im Mai 1951 dort wieder drei Ruhebänke aufgestellt. Im März 1953 wurde der Rasen um die Paradeisallee neu eingesät und weitere Bepflanzungen vorgenommen. Die weiter verbesserte und teils umgebaute Anlage erfreut sich mehr denn je größter Beliebtheit bei den Spaziergängern. Auch die Anlagen auf dem Karlsberg und um die Wilhelmshöhe/Villa bis hin zum Eichwald erfreuen noch in dieser Zeit die Crailsheimer Spaziergänger zu allen Jahreszeiten.

Der Name Alois Paradeis hat in Crailsheim bis heute mit den Bezeichnungen „Paradeisallee“ an der Jagst, „Paradeisgarten“ und „Paradeiswegle“ im Burgberg sowie „Paradeiswald“ in Wildenstein außerordentlichen Wohlklang, der mit diesem Aufsatz auch den jüngeren Generationen erhalten werden soll.